Vorträge & Abstracts

KURZBESCHREIBUNGEN DER VORTRAGSINHALTE

 
2000 Jahre in 20 Minuten: Wie Medizin wurde, was sie ist. 
 
13.10. gegen 9:35 Uhr (Veranstaltungsort: ZKM Medientheater) 
Dr. Philipp Osten
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)
 
Viele medizinische Erkenntnisse, deren Wert wir heute wie selbstverständlich nutzen, sind äußerst jung: Erst seit dem Beginn des letzten Jahrhundertes wissen wir beispielsweise, dass es verschiedene Blutgruppen gibt, wie ein EKG uns einen Blick auf Herzschläge ermöglicht und dass Insulin den Blutzucker senkt.  Aber die Anfänge der Medizin reichen noch viel weiter zurück: Von der Kunst der Schädelöffnung bei den Inka, über mittelalterliche Klosterheilkunde bis zur Entdeckung des Morphins. In diesem Vortrag nehmen wir Dich mit auf eine spannende Zeitreise zurück in die Vergangenheit der Gesundheitsforschung..
 
Dr. Philipp Osten unterrichtet Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität Heidelberg. Er hat in Berlin an der Freien Universität und an der Charité studiert. Seine Doktorarbeit handelt von der Geschichte einer Klinik für körperbehinderte Kinder von der Kaiserzeit bis zum Nationalsozialismus. Zurzeit schreibt er an einem Buch über den Schlaf. 
 

Warum sind Sie MedizinerIn geworden – Was hat Sie bewogen, Gesundheit zu Ihrem Beruf zu machen?

Medizin umfasst viele Bereiche: Naturwissenschaftliche Konzepte und gesellschaftliche Themen. Kommunikation mit Patienten, die verlässliche Beratung, professionelle Behandlung und Anteilnahme erwarten können. Unterricht für Studenten, die es gilt für Themen zu begeistern. Und die Auseinandersetzung mit  komplexen Theorien, die sich mit der Zeit alle erschließen, wenn man sich nur lange genug mit ihnen befasst. 
 

Was ist für Sie die größte Herausforderung, der sich die Medizin in den nächsten Jahren wird stellen müssen?

Sie muss dem immer stärken Druck widerstehen, eine optimale medizinische Versorgung von ökonomischen Kriterien abhängig zu machen.
 

Was motiviert Sie bei Ihrer täglichen Arbeit?

Als Medizinhistoriker befasse ich mich nicht nur mit den Konzepten der aktuellen Medizin, sondern auch mit Theorien, die in der Vergangenheit für gültig gehalten wurden. Ich versuche zu verstehen, warum das so war und erfahre dadurch fast täglich neue Dinge. 

 
 
Handeln und Heilen 1: Der kleine Unterschied 
 
13.10. gegen 11:20 Uhr (Veranstaltungsort: ZKM Medientheater)
Dr. Angelika Voß
 
Jungen und Mädchen unterscheiden sich voneinander. Oder doch nicht? Worin bestehen diese Unterschiede – und wie viel Einfluss hat unser biologisches Geschlecht tatsächlich darauf, wer wir sind? Fest steht: Der kleine Unterschied ist zumindest in medizinischer Hinsicht alles andere als klein. Zahlreiche Forscher und Wissenschaftler befassen sich mit der Verschiedenheit männlicher und weiblicher Körper – mit gutem Grund. Es scheint, als habe unser Geschlecht einen weitaus größeren Einfluss auf unsere Gesundheit, als bisher angenommen. Wenn Dich interessiert, ob Jungen beim Kranksein wirklich wehleidiger sind und Mädchen schneller frieren, solltest Du diesen Vortrag nicht verpassen.
 

 

Dr. rer. biol. hum. Angelika Voß, Jahrgang 1957. 1991 Abschluss Diplom-Pädagogik an der Universität Dortmund auf dem Zweiten Bildungsweg mit den Hauptfächern Psychologie und Geschichte.  1992 erstes Forschungsprojekt zur geschlechtsvergleichenden Versorgungsstruktur in der Krebsmedizin. 1995 – 1998 Förderung im Graduierten-Kolleg der Deutschen Forschungsgemeinschaft „Geschlechterverhältnisse und sozialer Wandel“. Parallel zum Studium Aufbau eines wissenschaftlichen Vereins zur Förderung der komplementären Onkologie und Vorstandstätigkeit im Rhein-Ruhr-Institut für Frauenforschung. 1999: Examen des Aufbaustudiums „Referentin für Gesundheitsförderung“, Niedersächsische Akademie für Gesundheitsförderung. Seit 2001 Geschlechterforschung und Curriculum-Entwicklung zur Gender Medizin an der Medizinischen Hochschule Hannover, Universität Essen-Duisburg und Universität Bremen. Nationale und internationale Projekte zur Geschlechterforschung in der Medizin und der medizinischen Ausbildung. Lehrtätigkeit an Universitäten und Akademien, Dozentin der VHS für den Ausbildungszweig Gesundheitsberater/in. 2005 Promotion zur Doktorin der Humanbiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Nach einem Unfall 2007 berentet, weiterhin als Dozentin sowie als Expertin für Gender Medizin und Frauengesundheit in verschiedenen Gremien tätig. Wichtigste Veröffentlichungen: 1. wissenschaftliche Koordinatorin und Mitautorin in Gender Medizin, geschlechtsspezifische Aspekte für die klinische Praxis. Herausgegeben von Anita Rieder und Brigitte Lohff, erschienen 2004, 2. erw. Auflage 2008 bei Springer Wien New York. 2. Frauen sind anders krank als Männer, erschienen 2007 bei Irisiana München. Dafür ausgezeichnet mit dem Österreichischem Buchpreis „bestes Wissenschaftsbuch 2008“ für den Bereich Medizin/Gesundheit.
 

Warum habe ich mich für die Medizin entschieden? 

In meiner Arbeit als Pädagogin habe ich die Erfahrung gemacht, dass Frauen und Männer sich anders unterhalten, dass sie sich für unterschiedliche Dinge interessieren und dass sie eine unterschiedliche Vorstellung von ihrer Gesundheit haben. Das hat mich dazu gebracht, zu untersuchen, ob es möglicherweise auch Unterschiede bei Krankheiten, der Verträglichkeit von Medikamenten und ihrer Behandlung gibt. An dieser Stelle wollte ich arbeiten, um so bereits in der Ausbildung von Medizinstudentinnen und -studenten das Bewusstsein für wichtige Unterschiede des männlichen und weiblichen Körpers, ihres Verhalten sowie ihrer Ausdrucksweise zu schaffen  - und Fragen für deren Ursachen und Auswirkungen auf die Gesundheit  zu stellen.  Als ich mich mit dem Thema 1992 erstmals intensiv beschäftigte, gab es für diesen Forschungsbereich keine eigene Bezeichnung. Heute ist der Begriff „Gender Medizin“ ein eigener fester Begriff wie die Chirurgie, Kinderheilkunde oder Notfallmedizin. Es gibt mittlerweile auch an einigen Universitäten in Europa, den USA und Australien eigene Professorinnen für die Gender Medizin. Gender Medizin ist wirklich etwas ganz Neues und deshalb immer wieder sehr spannend.
 

Herausforderung für die Zukunft?

Die größte Herausforderung für die Zukunft sehe ich heute darin, dass die Geschlechtermedizin nicht den Fehler begeht, sich nur auf die biologischen Unterschiede zu konzentrieren. Besonders durch die Weiterentwicklung der Genforschung scheinen sich viele Fragen nach den Ursachen von Erkrankungen und deren Behandlung auf  die Gene beschränken zu lassen. Wir wissen bislang jedoch noch viel zu wenig über soziale und psychische Einflüsse auf unsere Gene. Hierin sehe ich einen wichtigen Baustein hin zu einer besseren gesundheitlichen Versorgung von Mädchen und Jungen/Männern und Frauen. 
 

Was motiviert mich? 

Für mich ist die Gender Medizin zu einem wichtigen Teil meiner Forschungsarbeit und Arbeit als Lehrende geworden. Sie wirft immer neue Fragen auf, die nach Antworten suchen.Sie fordert jeden Tag aufs Neue heraus, weil die mittlerweile vorliegenden Erkenntnisse noch lange nicht in den Arztpraxen und den Kliniken angekommen sind. Die vielen positiven Rückmeldungen auf das erste Buch „Gender Medizin“ für die ärztliche Praxis und die Auszeichnung als bestes Wissenschaftsbuch 2008 für mein Buch „Frauen sind anders krank als Männer“ für Nichtfachleute zeigen, wie wichtig das Thema geworden ist. Außerdem zeigt mir meine Mitarbeit als Expertin für Gender Medizin in der Arbeitsgemeinschaft „Gender und Depressionen“ wie notwendig die Aufklärung über Unterschiede bei dieser Erkrankung auch unter Fachleuten ist. Und schließlich macht es mir einfach Freude, nach neuen Wegen in der medizinischen Versorgung zu suchen und die spannenden Fragen nach dem „gar nicht so kleinen Unterschied“ für andere verständlich zu vermitteln. 

 
 
Vorsorgen und Vorausdenken 1: Alleskönner Stammzelle 
 
13.10. gegen 11:20 Uhr (Veranstaltungsort: ZKM Medientheater)
Dr. Tobias Hannes
Institut für Neurophysiologie (Universität zu Köln)
 
Ein erwachsener Mensch besteht aus rund 100 Billionen Zellen, die von der Leber bis zur Wimper oder dem Auge unterschiedlichste Funktionen erfüllen und sich alle aus einer einzigen befruchteten Eizelle entwickeln. In einem frühen Entwicklungsstadium haben Zellen die spannende Eigenschaft, sich zu jeder anderen Zelle entwickeln zu können: Diese so genannten Stammzellen sind aufgrund ihrer potenziellen Verwandelbarkeit für Forscher besonders interessant. Denn mit Stammzellen wäre es grundsätzlich möglich, geschädigtes Gewebe oder Organe im Reagenzglas nachzuzüchten.  Doch so vielversprechend die Möglichkeiten auch erscheinen – die Forschung an Stammzellen ist heftig umstritten.  Warum das so ist und wie viel Potenzial in den kleinen Alleskönnern steckt, erfährst Du in diesem Vortrag.
 

Geboren am 9.7.1984 in Bonn, habe ich Medizin an der Universität zu Köln studiert. Neben dem Studium habe ich von Juni 2006 bis Oktober 2010 am Institut für Neurophysiologie und der Klinik für Kinderkardiologie in Köln an einem wissenschaftlichen Projekt über Herzzellen, die aus Stammzellen gewonnen worden sind, gearbeitet. Darüber habe ich im April 2011 eine Doktorarbeit veröffentlicht. Seit Oktober 2010 forsche ich an der Universität Oxford und am Imperial College in London. Jetzt  kehre derzeit an die Universität Köln zurück und werde wieder am Institut für Neurophysiologie und an der Klinik für Kinderkardiologie arbeiten.

 

Warum sind Sie Mediziner geworden?

Medizin besteht aus vielen Fächern, von denen jedes für sich unterschiedlich und spannend sind. Man kann forschen, an der Universität unterrichten, Patienten helfen, im In- und Ausland arbeiten -  und man hat immer mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun! 
 

Was ist für Sie die größte Herausforderung, der sich die Medizin in den nächsten Jahren wird stellen müssen? 

Unsere Möglichkeiten, Krankheiten festzustellen und zu behandeln, werden immer größer. Wir werden mehr und mehr zwischen überlegen müssen, was wir uns leisten können. Und muss am Schluss immer der Patient zählen.
 

Was motiviert Sie bei Ihrer täglichen Arbeit?

Forschung ist anstrengend und manchmal frustrierend. Dann kommt man plötzlich zu einem Ergebnis. Das ist ein toller Moment!

 
 
Erkennen und Entdecken 1: Alles Quatsch?! 
 
13.10. gegen 12:10 Uhr (Veranstaltungsort: ZKM Medientheater)
Dr. Michael Prang
Medizinjournalist
 
Hartnäckig weisen Dich Deine Eltern oder Großeltern bei jeder sich bietenden Gelegenheit darauf hin, dass Möhren „gut für die Augen“ sind und Dir, wenn Du Deinen Kaugummi herunter schluckst, der Magen verklebt. Mit vollem Bauch darf man nicht schwimmen gehen und wer zu lange auf einer kalten Bank sitzt, riskiert eine Blasenentzündung. Aber was ist dran an diesen und anderen Tipps und Ratschlägen? Sind sie ein typischer Fall davon, wie Omas Weisheit die Schulmedizin übertrumpft oder kann man auf die Befolgung dieser Ratschläge auch gut verzichten? Ob und wie viel Wahrheit in diesen Gesundheitstipps steckt, erfährst Du in diesem Vortrag, bei dem Du gern auch ausdauernd schielen darfst – bislang ist nämlich kein einziger Fall dokumentiert, in dem dabei die Augen stehen geblieben wären.
 
geboren am 29. April 1960 in Lüneburg, ist ledig und spricht Englisch und Spanisch fließend. Nach einer Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten bei der AOK Hamburg schloß er sein Studium der Humanmedizin in Berlin, Hamburg und Bogotá mit der Promotion zum Dr. med. an der Universität Hamburg ab. Einem MBA in Media Management folgte 2011 die Ausbildung zum Wirtschaftsmediator an der  Steinbeis Hochschule Berlin GmbH / Akademie für Soziales und Recht, Leipzig. Nach seiner Tätigkeit als Versichertenbetreuer bei der AOK Hamburg, Assistenzarzt in der Unfallchirurgie, Orthopädie und Pädiatrie in Großbritannien und Deutschland und einer Praxisvertretung (Allgemeinmedizin/Innere Medizin) in Hamburg ist er seit 1999 Geschäftsführer der ‚medienärzte – Agentur für Gesundheitskommunikation’ (seit 1. August 2011 medienärzte Gesundheitskommunikation, Franz/Gadatsch/Prang GbR) und arbeitet darüberhinaus als freier Medizinjournalist und Buchautor mit den Schwerpunkten Medizin, Gesundheit, Gesundheitspolitik und Ärzteinformation. In den Jahren 2002 bis 2005 moderierte er die regelmäßige Beitragsreihe "Alles Okay – Tipps vom Morning Doc" im SAT.1-Frühstücksfernsehen.
 
 
Handeln und Heilen 2: Von Implantaten und Prothesen
 
13.10. gegen 14:45 Uhr (Veranstaltungsort: ZKM Medientheater)
Prof. Dr. Thomas Stieglitz
Lehrstuhl für Biomedizinische Mikrotechnik (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
 
Ob durch Krankheit, gestiegene Lebenserwartung oder Unfälle: Gewebeschäden, der Ausfall von Organen  oder der Verlust von Körperteilen stellen Forscher vor vielfältige Aufgaben. Prothesen und Implantate können Abhilfe schaffen – und haben mit Holzbeinen oder Glasaugen schon lange nichts mehr zu tun. Einen Großteil der heutigen Prothesen müssen Patienten aber immer noch mit Muskelkraft bewegen – und genau hier setzt die moderne Forschung an. Ziel ist es, Prothesen zukünftig mit den Gedanken steuern zu können: Nervenimpulse im Gehirn sollen direkt in Steuerbefehle für die Prothese übersetzt werden. Klingt wie Science Fiction? Mitnichten: Ein Forscher aus diesem spannenden Arbeitsfeld  lässt Euch in diesem Vortrag über seine Schulter schauen.
 
Thomas Stieglitz wurde 1965 in Goslar (Niedersachsen) geboren. Das Studium der Elektrotechnik in Braunschweig und Karlsruhe mit dem Schwerpunkt Biomedizinische Technik schloss er 1993 mit dem Diplom ab. Von 1993-2004 arbeitete er am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik in St. Ingbert (Saarland) und etablierte dort eine Arbeitsgruppe zum Thema Neuroprothetik. In dieser Zeit promovierte (1998, summa cum laude) und habilitierte (2002) Dr. Stieglitz an der Universität des Saarlandes. Seit 2004 leitet Thomas Stieglitz den Lehrstuhl für Biomedizinische Mikrotechnik am Institut für Mikrosystemtechnik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Dort ist er auch Mitglied des Bernstein Centers Freiburg, das sich Fach- und Fakultätsübergreifend mit Fragestellungen der Neurowissenschaft und Neurotechnologie beschäftigt. Er ist einer der Gründungsgesellschafter der Firma CorTec, die sich 2010 aus der Universität heraus gegründet hat und Medizinprodukte für neurotechnische Schnittstellen zum Gehirn entwickelt.
 
Warum sind Sie Mediziner geworden - Was hat Sie bewogen, Gesundheit zu Ihrem Beruf zu machen ?
 
Nun, ich bin Elektroingenieur geworden und nicht Mediziner und habe Trotzdem Gesundheit zu meinem Beruf gemacht. In meiner Zeit als Rettungsassistent im Zivildienst ist mir klar geworden, dass meine Stärken nicht in der psychologischen Begleitung von kranken Menschen liegen. Das war mir Grund genug, kein Medizinstudium anzufangen. Ich habe mich dann der Medizin von der technischen Seite genähert, um medizinische "Geräte" zur Erkennung, Behandlung und zur Rehabilitation zu entwickeln, die es noch nicht gibt. Oder aber auch um gemeinsam mit Medizinern neue, hoffentlich effektivere und nebenwirkungsärmere Therapien mit zu entwickeln. Als Beispiele möchte ich hier Sehprothesen für Blinde oder Gehirn-Computer-Schnittstellen nennen.
 
Was ist für Sie die größte Herausforderung, der sich die Medizin in den nächsten Jahren wird stellen müssen ?
 
Ich sehe die größte Herausforderung für die Medizin in den nächsten Jahren bei Fragen, bei denen die medizinischen mit gesellschaftlichen Fragen verknüpft sind. Bei uns in den westlichen Ländern wird es immer mehr alte und immer weniger junge Menschen geben. Wie sollen alle Menschen bei Erkrankungen behandelt werden ? Das Geld wird knapp werden. Was ist das Minimum an Behandlung, das unsere Gesellschaft allen zu Teil kommen lassen will. Was ist mit "Spezialangeboten" ? Sollen die Menschen das selbst bezahlen oder zahlt die Gemeinschaft, wenn der einzelne sich es sich nicht leisten kann ?
Was motiviert Sie bei der täglichen Arbeit ?
 
Nun, zum einen sind Forscher ihr Leben lang Spielkinder.Wenn eine neue Idee entsteht, etwas neues zum ersten Mal glückt, dann motiviert und erfreut mich das. Die größte Motivation ist es allerdings, wenn ein Telephonanruf von Erkrankten oder von Angehörigen von Erkrankten kommt und jemand sagt: "machen Sie weiter so, ich kann zwar nicht mehr davon profitieren aber diejenigen, die in Zukunft an dieser Erkrankung leiden". Solche Begebenheiten lassen die alltäglichen Ärgernisse klein erscheinen und helfen, das große Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.
 
 
Vorsorgen und Vorausdenken 2: Viele Kranke. Viele Krankheiten
 
13.10. gegen 15:10 Uhr (Veranstaltungsort: ZKM Medientheater)
Prof. Dr. med. Hajo Zeeb
Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin
 
Das Gesundheitssystem in modernen Industrieländern, die Behandlungsmöglichkeiten und die gesundheitliche Vorsorge verbessern sich stetig. Trotzdem sprechen wir seit einigen Jahren bei der Bewertung des Gesundheitszustandes einzelner Länder vermehrt von den so genannten Volkskrankheiten. Dazu gehören in Deutschland beispielsweise Diabetes, Herz- und Gefäßerkrankungen, Allergien, Depressionen oder bestimmte Krebsarten. Aber wie kann ein ganzes Volk erkranken, wenn keine Epidemie, also keine massenhafte Häufung einer Krankheit, vorliegt? Wie können breite Teile der Bevölkerung krank werden, wenn unsere modernen Gesundheitssysteme so leistungsstark und weit entwickelt wie nie zuvor sind? In diesem Vortrag erfährst Du die Antworten!
 
 
Prof. Dr. Hajo Zeeb leitet seit Januar 2010 die Abteilung Prävention und Evaluation. Er promovierte an der RWTH Aachen zum Dr. med. und arbeitete einige Jahre als Arzt in deutschen und englischen Kliniken, bevor er für drei Jahre als Medical Officer nach Namibia ging. Nach einem Masterstudium in Public Health an der Universität Heidelberg arbeitete er dann am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und später an der Universität Bielefeld. Dort war er an zahlreichen epidemiologischen Studien beteiligt sowie in der Lehre aktiv, insbesondere im Master of Science in Epidemiology. Bei der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf arbeitete Dr. Hajo Zeeb in der Abteilung Public Health and Environment, bevor er 2006 ans Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) des Universitätsklinikums Mainz wechselte. Prof. Zeeb ist Mitglied verschiedener Fachorganisationen (u.a. International Epidemiological Association, Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie), zudem ist er seit vielen Jahren in Arbeitsgruppen und Ausschüssen der Strahlenschutzkommission des Bundes aktiv. Ein besonderes Interesse von Prof. Zeeb gilt der Evidenzbasierung in Public Health. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die evidenzbasierte Prävention und Evaluation chronischer Erkrankungen sowie die epidemiologische Forschung zur Gesundheit von Migranten.Bezüglich spezifischer Expositionen wird Prof. Zeeb seine Arbeiten zur Epidemiologie ionisierender Strahlen stärker präventionsorientiert ausrichten, u.a. mit Projekten zum angemessenen Schutz vor ultravioletter Strahlung. 
 
 
Erkennen und Entdecken 2: Das Beste kommt zum Schluss
 
13.10. gegen 15:35 Uhr (Veranstaltungsort: ZKM Medientheater)
Dr. med. Mario Leimert & Dr. med. Claudia Lindner
Klinik für Neurochirurgie der TU Dresden am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
 
Jeder tut es, keiner spricht darüber und selbst Filmhelden sieht man zwar ausgiebig trinken, aber selten pinkeln. Unsere Ausscheidungen gelten als unsauber oder schlichtweg „pfui“ und taugen höchstens als Gegenstand von Witzchen. Dabei ist Urin in der Medizin eine wichtige Zeigeflüssigkeit: Viele Krankheiten, Funktionsstörungen oder körperliche Veränderungen lassen sich im Urin nachweisen oder diagnostizieren.Denn im Urin finden sich die so genannten Biomarker: Diese Abbauprodukte von Eiweißen ermöglichen beispielsweise den Nachweis von Nierenerkrankungen, Diabetes und Blinddarmentzündung. Was die medizinische Diagnostik und Forschung alles aus Deinem Urin heraus lesen kann, wie manche Tierarten sogar mit Urin kommunizieren und wofür man Urin außerdem verwenden kann, erfährst Du in diesem Vortrag.
 
Warum sind Sie MedizinerIn geworden - Was hat Sie bewogen, Gesundheit zu Ihrem Beruf zu machen? 
 
Mario Leimert: Gefühlt habe ich einen Großteil meiner Kindheit und Jugend durch ständige Sportverletzungen und diverse Knochenbrüche in Krankenhäusern verbracht, vermutlich war mir das Ambiente letztlich so vertraut, dass das entscheidend meine Berufswahl beeinflusste, neben den bekannten naturwissenschaftlichen und philosophischen Aspekten.
 
Claudia Lindner: Neben den grundlegenden ideellen Voraussetzungen und Ansprüchen an die Sinnhaftigkeit des eigenen beruflichen Handelns, schien es mir sinnvoll, einer Familie voll von Selbstdiagnostikern und eingebildeten Kranken eine richtige Ärztin beizusteuern. Ich gehöre zur raren Spezies der Neurochirurgen, die privat auch mit allen anderen Problemchen und Wehwehchen konsultiert wird. 
 
 
 
Was ist für Sie die größte Herausforderung, der sich die Medizin in den nächsten Jahren wird stellen müssen? 
 
Beide: Die ethische, naturwissenschaftliche und auch ökonomische Diskussion zu den Themen: wie viel Medizin können wir uns leisten? Ab wann ist ein Leben lebenswert und wie lange ist ein Leben lebenswert? 
 
Was motiviert Sie bei Ihrer täglichen Arbeit? 
 
Beide: Der Glaube an den Menschen, trotz des Menschen. 
 
 
Per Anhalter in die Zukunft der Medizin: Heute noch Forschung, morgen vielleicht schon Realität?
 
13.10. gegen 17:30 Uhr (Veranstaltungsort: ZKM Medientheater)
Dr. med. Horst Christian Vollmar
Leiter der Arbeitsgruppe Wissenszirkulation und Implementierungsforschung am DZNE Witten
 
Vieles, was wir heute als medizinische Selbstverständlichkeit empfinden, war noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbare Träumerei und Wunschdenken. Doch welche Aufgaben und Herausforderungen warten auch heute noch auf eine Lösung?  Woran arbeiten Wissenschaftler und Forscher mit besonderer Dringlichkeit? Welche medizinischen  Durchbrüche, die unser Leben für immer verändern könnten, stehen kurz vor ihrer Verwirklichung? Was muss vielleicht immer Science-Fiction bleiben? In diesem Vortrag wagen wir einen gemeinsamen Blick in die mögliche Zukunft der Medizin, deren zukünftige Entwicklung so vielfältig wie spannend ist. 
 
Nach Abitur und Zivildienst in einer Dialyseeinrichtung (1987-1989) studierte Dr. Vollmar an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Humanmedizin (1989-1996), wo er im weiteren Verlauf auch promovierte (2000). Neben seiner Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in unterschiedlichen Kliniken und Praxen im Ruhrgebiet (1996-2001), war er 1997 in einem medizinischen Informationszentrum eines pharmazeutischen Unternehmens tätig. Im Jahre 2001 wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität Witten/Herdecke und arbeitete u. a. in Projekten zur Entwicklung und Implementierung von Leitlinien sowie zur Fortbildung von Hausärzten insbesondere mit neuen Medien. Im Jahr 2003 erhielt die Arbeitsgruppe den Richard-Merten-Preis und 2007 absolvierte Dr. Vollmar einen zweimonatigen Forschungsaufenthalt in Miami. Zuletzt war er als Projektleiter für eine cluster-randomisierte Studie im hausärztlichen Setting verantwortlich. Er erwarb die Zusatzbezeichnungen für  Medizinische Informatik, Ärztliches Qualitätsmanagement sowie Sportmedizin. In den Jahren 2003-2005 absolvierte er in Düsseldorf ein berufsbegleitendes Studium „Gesundheitswissenschaften und Sozialmedizin“, welches er mit einem Master in Public Health (MPH) abschloss. Von 2008 bis 2009 war er am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe als wissenschaftlicher Projektleiter tätig. Zum Jahresbeginn 2010 übernahm Dr. Vollmar die Leitung der Arbeitsgruppe Wissenszirkulation und Implementierungsforschung am DZNE Witten und erhielt die Venia legendi für Allgemeinmedizin und Gesundheitswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke nach Abschluss seines Habilitationsverfahrens. Seine Tätigkeit im Bereich der Versorgungsforschung umfasst im Wesentlichen die Fragestellung „Wie kann evidenzbasiertes und handlungsrelevantes Wissen zur Demenz nachhaltig an die unterschiedlichen Zielgruppen (Betroffene, Ärzte, Pflegende, Entscheidungsträger) vermittelt werden?“. Hierfür setzt er quantitative und qualitative Forschungsmethoden ein und bedient sich auch bei anderen Disziplinen wie z. B. der wissenschaftlichen Zukunftsforschung. Dr. Vollmar ist federführender Autor der Leitlinie Demenz der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) und vertritt die Fachgesellschaft bei der Erstellung der Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) Demenz.
 
Warum sind Sie Mediziner geworden? 
Ich habe zunächst Medizin studiert, um einzelnen Menschen bei Ihrer Gesundheit helfen zu können. Später habe ich dann Gesundheitswissenschaften (Public Health) studiert, um die Gesundheit von Gruppen von Menschen positiv zu beeinflussen, z.B. durch Wissensvermittlung.
 
Was ist für Sie die größte Herausforderung, der sich die Medizin in den nächsten Jahren wird stellen müssen? 
Der demografische Wandel (mehr ältere Menschen, weniger Ärzte und Pflegekräfte, höhere Kosten).
 
Was motiviert Sie bei Ihrer täglichen Arbeit?
Die Zukunft aktiv mit zu gestalten.