

Von April bis Oktober haben sich rund 2.500 Kinder und Jugendliche aus fast 60 Städten auf eine "Forschungsexpedition Stadt" begeben. Von Kiel in Schleswig-Holstein bis Lörrach in Baden-Württemberg, von Cottbus in Brandenburg bis Düren in Nordrhein-Westfalen haben wissbegierige Nachwuchswissenschaftler an dem Projekt der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit dem Deutschen Städtetag teilgenommen. Mit viel Elan und Erfolg widmeten sich knapp 100 Expeditionsteams elf kniffligen Fragen zu verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen: von Informatik, Physik und Mathematik über Geschichts- und Literaturwissenschaft bis hin zur Medizin- und Energieforschung.
In der Bundeshauptstadt Berlin, der Metropole Hamburg, zehn Landeshauptstädten und vielen weiteren Städten und Gemeinden - überall gab es viel zu entdecken und zu erforschen. Wissenschaftliche und städtische Einrichtungen öffneten den Expeditionsteams ihre Türen; Wissenschaftler, kommunale Mitarbeiter und Bürger stellten sich den Fragen der jungen Forscherinnen und Forscher.
Interdisziplinarität ist heute überall gefragt, auch die Nachwuchswissenschaftler der "Forschungsexpedition Stadt" mussten ihr Können in vielen verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen unter Beweis stellen. Als Biologen entnahmen sie Erdproben aus ihrem Schulgebiet und untersuchten diese mit Experten. Spielteilnehmer aus Cottbus haben zusammen mit einer Biologin ihr Schulgelände erforscht: profunde Einblicke in das Verfahren haben sie in einer zweiteiligen Videodokumentation festgehalten, wobei die Schülerinnen die einzelnen Untersuchungsschritte erläutern und ihre Auswertung anschaulich präsentieren.
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"Das Kieler Expeditionsteam der 9a des Gymnasiums Elmschenhagen bei der Bodenuntersuchung. " |
Nicht nur dem Leben der Erde kommt man durch die Entnahme von Proben auf die Spur, auch den Menschen lernt man durch die Entnahme von Blutproben zu verstehen. Die Frage LEBENSelexier erfreute sich einer besonderen Beliebtheit. Mit der Aufgabe rund um die Analyse der Blutprobe und Bestandteile des menschlichen Bluts haben sich fast 70 Prozent der beteiligten Gruppen befasst. Selbst die jüngsten Forscher vom Kinderhaus Rosa Grünbaum in Mannheim stellten sich der schwierigen Aufgabe und besuchten neben den fünf weiteren Teams aus der Quadratestadt den DRK-Blutspendedienst. Dort begutachteten sie die einschlägigen medizinischen Geräte und beobachteten einen Arzt bei der Blutabnahme.
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Die Jungforscher des Kinderhauses Rosa Grünbaum beim DRK-Blutspendedienst: Dr. Stötzer bei der Blutabnahme |
Mit einer Videokamera ausgestattet verfolgte ein Mädchenteam aus Dortmund eine Blutabnahme und die anschließende Auswertung der Blutprobe und dokumentierte detailliert die Funktionen der hierfür notwendigen medizinischen Geräte.
Fünf der elf Fragen forderten die Teilnehmer der "Forschungsexpedition Stadt" zu einer Reise durch die Zeit heraus: Bei der Aufgabe SEKUNDENweltreise begaben sich z. B. sieben Teams bei ihrem Besuch des Informatikzentrums der Universität Braunschweig auf eine virtuelle Weltreise und verfolgten, wie ein Computer den Weg zu einer URL im Ausland findet. Gemeinsam mit Informatikdozenten lösten sie die Aufgabe und vernetzten sich real miteinander, indem sie mit Hilfe von Seilen ein Netzwerk nachbauten.
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Links: Ein Informatiker erklärt den Forscherinnen und Forschern aus Braunschweig, wie das Internet funktioniert |
Viele Jungforscher begaben sich darüber hinaus auf eine Zeitreise in Gedanken und wagten den Blick zurück zu den Vorfahren in ihrer Region: Die Mädchengruppe der Maria-Wardschule aus Würzburg hat eine ZEITreise ins Mittelalter unternommen, sich mit dem Thema Hexenverfolgung befasst und eine dramatische Geschichte als Fotostory überliefert.
Ein Team aus Grünheide hat sich bei seiner Zeitreise mit der Geschichte des Kalkabbaus im Museumspark Rüdersdorf beschäftigt und das Leben der Arbeiter vor 200 Jahren unter die Lupe genommen. In der Nähe der historischen Stätte schlugen sie dafür ein richtiges Forschercamp auf und erlebten hautnah die Geschichte des Rüdersdorfer Tagebaus.
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Forschungskinder der Montessori Grundschule Grünheide auf der Zeitreise: Forschercamp im Museumspark Rüdersdorf |
Mit Hilfe von Historikern erkundeten die zeitreisenden Nachwuchswissenschaftler schließlich auch, was es mit den Denkmälern in ihrer Stadt auf sich hat. Den Fall der Berliner Mauer haben die Expeditionsteilnehmer nicht erlebt, dennoch war das Thema 2009 zum 20-jährigen Jubiläum in aller Munde. Wie haben die Menschen aus ihrer Stadt diesen Tag erlebt? Bürgermeister, Buchautoren, Geschichtslehrer, Pfarrer, Passanten auf der Straße, aber auch Nachbarn und Verwandte stellten sich den Fragen der Jungforscher und erzählten ausführlich von der damaligen Zeit. Interessante Einblicke in das Leben der Menschen in den Grenzregionen bekamen die Jungforscher aus Ebern im Rahmen eines Interviews mit einem ehemaligen Grenzpolizisten. In einem Videointerview fassten die Jungforscherinnen aus Osnabrück die Eindrücke des Oberbürgermeisters ihrer Stadt zusammen, den sie auf dem Fest der Kulturen getroffen haben.
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Der Kreisheimatpfleger Reinhold Albert berichtet dem Forscherteam vom Fall der Mauer |
Zur kompliziertesten Expedition durch die Zeit forderte die Aufgabe RELATIVrätsel auf: Können Physikstudenten die Relativitätstheorie von Albert Einstein in drei Sätzen erklären? Viele - wenn auch nicht alle - der befragten Studenten konnten kurz und bündig die Relativitätstheorie erklären. In Gesprächen mit Physikstudenten brachten die Jungforscher nicht nur die zentrale Formel in Erfahrung, sondern bekamen die Grundsteine der allgemeinen und speziellen Relativitätstheorie vermittelt. Interessante Interviews führte unser Einzelkämpfer Philipp bei seinem Besuch des Max-Planck-Instituts für Physik komplexer Systeme während der 8. Dresdner Langen Nacht der Wissenschaften. Ausführliche Erläuterungen haben auch die Fünftklässler des Uhland-Gymnasiums aus Tübingen in ihren zahlreichen Interviews festgehalten.
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Die Jungforscherinnen aus Düsseldorf bei der Lösung der Aufgabe RELATIVrätsel mit den Physikstudenten Nikolas und Hendrik |
Einige Fragen der Forschungsexpedition waren ohne Mathe nicht lösbar, aber auch das hat die Spielenden nicht abgeschreckt: Um das ZAHLENspiel zu lösen, begaben sich viele Teilnehmer an die mathematische Fakultät und berechneten die Quersumme aus den eingeschriebenen Mathematikstudenten, viele haben diesen Besuch mit einer Besichtigung der Universität verbunden und sich mit Dozenten und Studenten unterhalten.
Deutlich komplizierter war es, die Aufgabe SONNENschule zu berechnen: Wie viel elektrische Energie pro Quadratmeter und Jahr könnte erzeugt werden, wenn man Euer Schulgebäude mit Solarzellen ausstatten würde? Das komplexe Thema haben sich die Jungforscher auf verschiedenen Wegen angeeignet, zum Beispiel über einen Besuch beim städtischen Energieversorger, dem Umweltamt oder durch den Austausch mit spezialisierten Unternehmen. In Ulm hat sich das Team der Albrecht-Berblinger HWRS für die Lösung der Forschungsfrage etwas Besonderes überlegt: Die Jungforscher holten sich Rat beim Ulmer Energietag. Hier fanden sie nicht nur heraus, wie viel Strom ihr Schuldach mit Solarenergie erzeugen könnte, sondern auch, auf welchen Wegen Energie gewonnen werden kann und wie man Energie im eigenen Haushalt effektiv einsparen kann.
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Das Ulmer Expeditionsteam beim Energietag am Münsterplatz in Ulm |
2.500 Kinder und Jugendliche haben mit der "Forschungsexpedition Stadt" die Wissenschaft vor Ort erkundet und analysiert. Das Wissenschaftsjahr 2009 hat dies auch durch die "Expedition Zukunft" ermöglicht, den Wissenschaftszug, der Halt in über 60 bundesdeutschen Städten gemacht hat. Die letzte Frage der Forschungsexpedition führte die Jungforscher schließlich auch direkt in den Wissenschaftszug: Welches wissenschaftliche Thema wird in Wagen 4 des Zuges behandelt? Wer die Antwort wissen möchte, findet sie unter "Forschungsexpedition Stadt", wo man auch die weiteren Lösungen der knapp 100 Gruppen als Texte, Bilder und Videos durchstöbern kann.
Der Dank des "Projektbüros Städte im Wissenschaftsjahr 2009" gilt der Unterstützung der Mitarbeiter aus den Städten, Schulen und Forschungsinstitutionen vor Ort und natürlich besonders der Neugier und dem Enthusiasmus der beteiligen Kinder und Jugendlichen. Wir freuen uns auf die Herausforderung, die Zukunft der Energie im Jahr 2010 spielend zu erforschen!
