

Ost-West Story: Teil 1
Ost-West Story: Teil 2
Ost-West Story: Teil 3
Das Gespräch des Teams um Celina, Isabel, Anika, Paul, Till, Annika, Fabian und Tanja mit ihrem Interviewpartner, dem Altbürgermeister Walter Jank:
"Paul: Wann kamen Sie von Ost nach West?
Walter Jank: Im Mai 1946.
Paul: Und von wo nach wo?
Walter Jank: Das war von Petschau, Kreis Tepl (nahe Marienbad in
Tschechien) nach Hessisch Lichtenau in Nordhessen.
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Der Jungforscher Paul mit seinem Gesprächspartner Walter Jank |
Paul: War der Umzug kompliziert?
Walter Jank: Das kann man so sagen. Wir sind am 24. Mai 1946 um 11:00 Uhr
von den tschechischen Behörden informiert worden, dass wir am nächsten
Morgen um 4:00 Uhr am Platz vor der Turnhalle zu erscheinen hätten. Man
durfte maximal 50 kg pro Person mitnehmen, keine Wertgegenstände. Dann
wurden wir mit 30 Personen pro Vieh- bzw. Transportwaggon
wegtransportiert.
Paul: Wollten alle Leute nach Deutschland oder wollten auch welche in
ihrer Heimat bleiben?
Walter Jank: Damals wollte kaum einer nach Deutschland, man wollte in der
Heimat bleiben.
Paul: Wurden Sie in Deutschland als Ausländer bezeichnet?
Walter Jank: Ja, wir wurden nicht willkommen geheißen, das ist Fakt! Die
Menschen waren hier selber in Not und Elend. Der Krieg hatte seine
fürchterlichen Spuren hinterlassen. Über 6 Millionen deutsche Soldaten
waren gefallen bzw. vermisst. Über 20 Millionen Menschen haben ihr Leben
verloren, waren ausgebombt oder in Gefangenschaft.
Das alles führte
natürlich dazu, dass man nicht gerade willkommen war. Das Essen war
knapp, die Dinge zum Leben wie Kohle waren knapp, alle Grundbedürfnisse
konnten kaum befriedigt werden und dann kommen auch noch 16 Millionen
Heimatvertriebene und Flüchtlinge in das zerbombte Land. Es war eine
schwere, eine schlimme Zeit. Aber ich muss dazu sagen: Die meisten
Menschen waren gut zu uns.
Nach der Ankunft in Hessisch-Lichtenau kamen wir in ein Lager und nach
kurzer Zeit wurden wir zwangseinquartiert. Ihr müsst euch das so vorstellen:
Wenn jemand zum Beispiel drei Zimmer hatte, musste er eines für die
Heimatvertriebenen abgeben. Man musste sich alles, auch die Toilette, mit
diesen fremden Menschen teilen.
Paul: Als was hat ihre Familie gearbeitet?
Walter Jank: Mein Vater war Schwerbeschädigt. Er war am Anfang als
Wachmann im ehemaligen Munitionswerk tätig. Meine Mutter hat
gewaschen und gebügelt. Darüber hinaus haben meine Eltern in der
Landwirtschaft helfen dürfen. Es hat zum Überleben gereicht.
Paul: Man musste sicher auch auf vieles verzichten.
Walter Jank: Unsere Ansprüche waren nicht sehr hoch und wir waren froh, dass
wir wenigstens mit dem Leben davon gekommen sind. Man muss ja
bedenken, dass viele Leute gestorben sind.
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Das Team der 8G2 zusammen mit dem ehemaligen Bürgermeister Walter Jank |
Paul: Wie haben sie den Mauerfall empfunden?
Walter Jank: Ich habe ja immer an die Wiedervereinigung Deutschlands
geglaubt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das für ein Glücksgefühl war,
als es dann tatsächlich zu diesem Mauerfall gekommen ist. Allerdings habe
ich nicht zu so einem frühen Zeitpunkt damit gerechnet. Ich verberge auch
nicht, dass ich damals vor Freude geweint habe.
Paul: Möchten Sie noch etwas ergänzen zum bisherigen Gespräch?
Walter Jank: Vielleicht sollte ich euch noch erzählen, wie es zu dieser
Vertreibung aus unserer Heimat Petschau gekommen ist. Die erste
Tschechische Republik ist nach dem Zerfall von Österreich-Ungarn am
28. Oktober 1918 gegründet worden. Schon während des ersten Weltkrieges
verhandelten zwei tschechische Politiker, nämlich Professor Thomas
Masaryk und Dr. Edvard Benes im Londoner Exil über eine zukünftige
tschechische Republik.
Am 30. September 1938 marschierten deutsche Truppen aufgrund des
Münchner Abkommens im Sudetenland ein, am 15. März 1939 erfolgte der
rechtswidrige Einmarsch in den noch verbliebenen Teil der Tschechischen Republik. Das war für
die Tschechen sehr schlimm: wenn von heute auf morgen alles – das ganze
Land – plötzlich mit fremden Soldaten besetzt ist. Und man hat noch nicht
einmal die Chance, sich zu wehren.
Es gab erhebliche Opfer auf tschechischer
Seite. Ich spreche von 50.000 Tschechen, die durch die
Nationalsozialisten während des Krieges umgebracht worden sind. Dass sich
das in einem Volk festsetzt, ist klar. Nachdem wir den Krieg verloren haben,
haben die Tschechen die schon lange vorbereitete Vertreibung der Deutschen
durchgeführt. Die Alliierten haben dies entgegen ihrer Absicht um des lieben
Friedens willen akzeptiert."
Das Interview, welches das Team der Holderbergschule Eschenburg mit Herr Walter Jank führte, können Sie hier downloaden (PDF).
Das seitens des Teams um Celina, Till, Isabel, Annika, Paul, Anika, Fabian und Tanja geführte Interview mit dem Zeitungsreporter Herr Rudolph:
Till: Wann und von wo nach wo sind Sie damals eigentlich gereist?
Herr Rudolph: Also zuerst darf ich mich mal vorstellen. Mein Name ist Heinz Rudolph. Ich wohne in Eiershausen mit meiner Familie und gewechselt von der DDR in die Bundesrepublik bin ich im November 1955. Da war von euch noch nicht die Rede. Beruflich bin ich eigentlich Sozialarbeiter und Heimleiter und habe von Kind auf also von der Schulzeit an immer gerne geschrieben. Das Ergebnis ist jetzt, dass ich für die Zeitung tätig bin, d. h. ich mache Berichterstattungen und habe einige Bücher verfasst. In einem Buch habe ich auch die Erlebnisse dargestellt, die ich in der DDR hatte und dazu muss ich sagen, meine Flucht – wenn man sie so bezeichnen will – war etwas Besonderes. Ich war am Kriegsende in der DDR ein ganz normaler Bürger, habe beim Regierungspräsidenten eine Lehre gemacht und war dann Regierungsinspektor, hatte dadurch Einsicht in das, was sich dort auch politisch abspielte. 1950 bin ich verhaftet worden und kam nach Sibirien, das heißt also, die DDR hat unliebsame Bürger, die den Mund aufmachten, nicht nur in eigene Gefängnisse gebracht, sondern auch der russischen Besatzungsmacht übergeben. Da war ich mit dabei und hatte 25 Jahre Haft. Ich kam in ein Lager und landete dann in einer Gegend über dem Polarkreis, wo es immer dunkel ist außer für drei Wochen im Jahr und Kältegrade zwischen 40° und 60° minus. Durch politische Ereignisse kamen wir frühzeitig wieder frei. Ich bin 1955 wieder nach Hause gekommen. Meine Mutter wohnte in Mitteldeutschland und von dort aus war auch meine Flucht. Wenn ihr dann etwas Näheres wissen wollt, wie ich das gemacht habe, das wäre dann eine extra Frage. Ist die Frage damit erstmal beantwortet?
T: Ja, und von welchem Ort in der DDR? Wo haben Sie dort gewohnt und wie sind Sie hier in den Westen gekommen.
R: Also gewohnt habe ich in Merseburg, das ist ein Städtchen an der Saale. Ist die Saale bekannt? Ist ein Nebenfluss der Elbe und Merseburg war früher ein richtiges Beamtenstädtchen. Durch die Industrie hat die Stadt einen Wandel erfahren. Merseburg war eingegrenzt von zwei großen Werken, das eine hieß Leuna, da wurde Benzin hergestellt, und das andere hieß Buna, das ist eine chemische Formel. Dort wurde künstlicher Gummi hergestellt. Ja Merseburg, dort war ich zu Hause, hab meine Schule dort besucht und so weiter. Jetzt müssen wir uns vorstellen, dass ich nach fünfeinhalb Jahren aus Sibirien nach Hause kam und versuchen wollte und sollte, dort wieder Fuß zu fassen. Ich war 90 % Schwerbeschädigt durch diese harte Zeit und versuchte dann, Arbeit zu bekommen. Auf dem Arbeitsamt saß ein Bekannter, also der mit mir gleichaltrig war und mit mir die gleiche Schule besucht hatte. Der konnte mir aber nichts Gescheites anbieten, einmal nur auf einem Getreidelager, den Weizen oder den Hopfen umschaufeln, damit der an Feuchtigkeit verliert, und zweitens eine Art Wachmanntätigkeit bei einer Firma. Das habe ich abgelehnt, weil die wirtschaftlichen Verhältnisse in der DDR nicht grade erfreulich waren und es kam zu vielen Diebstählen. Dieses Lager, wo ich Wachmann spielen sollte, wurde immer mal wieder von Bürgern heimgesucht, die Holz, Material und sonstiges "organisieren" wollten, und ich wollte mich dort nicht unbedingt auf Nahkämpfe einlassen. Ich hab da also nichts gefunden. Ja, und dann habe ich von meiner Mutter Abschied genommen. Ich habe gesagt, dass ich in die Bundesrepublik gehe, dazu musste ich nach Berlin kommen.
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Beim Interview mit ihrem Zeitzeugen, dem Zeitungsreporter Herr Rudolph |
Die Grenze, die durch Deutschlang ging, die war fast unüberwindbar, dort wurde geschossen, und Wachhunde und so weiter. Es gab aber damals 1955 noch ein Schlupfloch, das war in Berlin der S-Bahnübergang Friedrichstraße.
Aber erst musste ich in den Zug kommen. Die Züge nach Berlin wurden schwer kontrolliert. Ich musste mich alle zwei Tage bei der Polizei melden und hatte auch keinen richtigen Personalausweis bekommen, wie die DDR-Bürger ihn hatten, das war nämlich ein kleines Heftchen mit verschiedenen Seiten so wie unsere Reisepässe, vielleicht habt ihr schon mal so einen gesehen. Ich bekam aber nur einen aufklappbaren Zettel und dann hab ich folgendes gemacht, ich habe diesen Zettel in eine Mappe getan, so dass man, wenn man das zeigte, nicht sah, ob das jetzt ein Heft war oder nur diese zwei Seiten. Ja – der Bahnhof war nur zu betreten durch so genannte Sperren, das heißt, es waren kleine Schleusen, dort saßen Bahnbeamte drin, die die Fahrkarten kontrollierten, knipsten und ungültig machten. Hinter diesen Beamten stand die Volkspolizei, die hat also schon die erste Kontrolle vorgenommen, da wäre ich fast schon nicht durch gekommen.
Meine Rettung sah folgendermaßen aus: Neben mir – also nicht durch die Sperre – ging ein ganzer Trupp russischer Soldaten, die waren dort stationiert und fuhren entweder in den Urlaub oder nach Berlin. Da ich einigermaßen Russisch sprechen konnte durch meine Haft, hab ich mich einfach in diese russische Gruppe eingeschlichen. Hab einen angesprochen und hab ihn nach etwas zu rauchen gefragt. Der russische Soldat gab mir was zu rauchen und wir gingen redend und qualmend durch die Schleuse. Er fragte nicht woher ich kam, denn ich sprach ja seine Sprache. Unterwegs wurde ich noch zwei Mal kontrolliert. Ich hatte einen Schwerbeschädigten-Ausweis von den DDR-Behörden bekommen, weil ich zu 90 % Schwerbehindert war. Ich hatte mir vorgenommen, wenn sie mich jetzt in die Mangel nehmen, dann sagst du: Du findest keine Arbeit hier, du willst nach Berlin zur Regierung, um dich zu beschweren nach diesen schweren Haftjahren, dass du nicht mal eine neue Existenz anfangen kannst.
Ja, so bin ich nach Berlin gekommen, bin in der Friedrichstraße raus und dann war ich schon im Westsektor. Ich weiß wie heute, da hab ich die nächste Polizeistation aufgesucht, die hatten so blaue Beleuchtungen, da stand Polizei dran und da bin ich rein. Ich war fix und fertig und der Beamte, der das damals miterlebte, den hätte ich gerne mal gesprochen. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, da ist so eine Schwingtür, dass man in den Raum hinein kommt und da stehen Schreibtische. Dann bin ich durch die Schwingtür, die eigentlich nur für die Beamten da war und hab mich an den nächsten Schreibtisch gesetzt und gesagt: Nun macht mit mir, was ihr wollt. Dann hat man mir einen Kaffee gebracht und hat gefragt, wo ich herkomme. Dann habe ich das geschildert, dass ich geflohen bin und mit dem und dem Transport aus Russland gekommen bin. Dann hat man zum roten Kreuz telefoniert und die hatten die Listen da und da stand ich mit drauf und dann war die Sache klar. Dann bin ich mit dem Flugzeug nach Friedland gekommen in dieses Aufnahmelager und von dort aus dann nach Kassel. Ist das soweit okay?
T: Ja.
R: So die nächste Frage.
T: Als Sie hier angekommen sind, hatten Sie dann Menschen, die Sie unterstützt haben oder eine Familie, die hier wohnte?
R: Ja, es war so, meine Eltern hatten sich, als ich in Russland war, getrennt. Meine Mutter lebte in Merseburg, dadurch musste ich nach Merseburg entlassen werden und mein Vater lebte in Kassel. Der kam nach Friedland, hat mich von dort abgeholt mit seiner neuen Familie und ich hab dann einige Zeit bei ihnen gewohnt, bis ich selber Arbeit usw. hatte.
T: Und wie sind Sie dann nach Eschenburg-Eibelshausen oder Eiershausen gekommen?
R: Ach ja ... Ich war in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Ich weiß nicht, ob ihr das Wort "Dystrophie" schon einmal gehört habt, das ist eine ziemliche Abmagerung. Ja, so ein Lagerleben ist eine schwere Arbeit, nicht gerade erfreulich und hat auch Folgen. So kam ich von Kassel plötzlich nach Bad Nauheim zur Kur, um mich zu erholen. Ich kam in das Konitzkii-Stift, also in ein Krankenhaus, wo man durch gewisse Angebote versuchte, mich wieder kräftiger zu machen. Auf der Station, auf der ich lag, war eine Schwester untergebracht, meine jetzige Frau, seit 52 Jahren. Sie war dort Schwester und da haben wir uns also verschossen. Da hab ich zum ersten Mal das Wort Eiershausen gehört. Ja ..., und von dort aus sind wir dann gemeinsam hierher gefahren. Damals ging der Schienenbus noch bis Eibelshausen und von Eibelshausen mussten wir trippeln bis Eiershausen hoch. Und dann lernte ich meine zukünftigen Schwiegereltern kennen. Sie haben mich sofort als Sohn aufgenommen, also besser hätte ich es nicht bekommen können. Die Damen sagen gar nichts.
T: Wie haben Sie den Mauerfall mitbekommen? Wie haben Sie darauf reagiert?
R: Ja, den Mauerfall, den hab ich erlebt am Fernsehen, das war abends. Ich vergesse die Bilder nicht, die Menschen stauten sich vor der Mauer im Osten, das konnte man sehen und dann kam eine offizielle Meldung, dass es erlaubt sei, in den Westen zu reisen und da waren die Menschen nicht mehr zu halten. Also die Mauer, die fiel faktisch erst hier oben bei den Menschen (zeigt auf den Kopf) und dann auch realistisch. Mich beeindruckte die Wagenkolonne, die sich in Marsch setzte. Ein Trabi nach dem anderen fuhr in den Westen, die Insassen und die Passanten winkten. Und was für mich erstaunlich war, die DDR war hoch ausgerüstet mit Volkspolizei, Stabsdiensten usw. usw. Diese Volkspolizei stand an der Mauer und guckte zu. Das war ein kleines Wunder. Also, so hab ich das empfunden und aufgefasst. Das Wunder, das nahm noch zu, weil während der ganzen Wiedervereinigung nicht ein Schuss fiel, die waren schwer bewaffnet und keiner hat geschossen. Das war das Wunderbare für mich. Ich hab am Fernseher gesessen bis zum frühen Morgen und wurde durch den ersten Besuch überrascht. Ein Freund und Klassenkamerad aus dem DDR-Teil des Harzes stand in aller Frühe vor meiner Haustür. Ja das war der Mauerfall, ich hab die Politiker bewundert: mit welcher Selbstsicherheit der Bundeskanzler und der Außenminister Genscher agierten, die schreiben sich das gut, diese Wiedervereinigung und den Mauerfall, das wäre ihre Politik gewesen, aber das kann man anzweifeln. Ich glaube, dass das Volk in der DDR, dass denen das zuzuschreiben ist, die haben ja zuvor in Leipzig und in anderen Städten demonstriert. Ja, das war so die Wiedervereinigung.
T: Wie hat die DDR es herausgefunden, dass Sie ein Gegner der DDR waren?
R: Ja, wir waren eine kleine Widerstandsgruppe, wir haben nicht alles hingenommen. Wir sind aber nie tätlich geworden, das heißt also: wir haben Flugblätter verteilt oder haben an Wandzeitungen geschrieben, was die DDR-Zeitung nicht bringen durfte. Eines Tages brachte einer aus unserer Gruppe, Karl-Heins Kassler, seinen Anzug in die Reinigung. Da bekam er einen Zettel, damit er den Anzug wieder abholen kann und der Reinigungsbesitzer, der hat ja den Namen und die Adresse von dem, dem der Anzug gehört. Und dann ist noch was üblich, wenn so ein Stück in die Reinigung kommt, dann wird das vorher noch mal durchsucht, damit nichts in den Taschen oder so ist, und dort hat man ein Flugblatt gefunden in seinem Anzug. Der Besitzer der Reinigung hatte nichts Besseres zu tun, als zur Staatssicherheit zu gehen und meinen Freund anzuzeigen. Daraufhin wurde der verhaftet, den Russen übergeben und kam in das Gefängnis in Halle. Nachdem dann Karl-Heinz bei den Russen verhört wurde, flog die ganze Gruppe auf. Ich wurde dann auch verhaftet.
Herr Häußer: Als Sie in den Westen kamen, da war der Westen ja auch noch nicht so reich. Es gab ja auch noch viel Armut 1955. War da doch noch ein Unterschied zu merken zwischen Ost und West?
R: Ja, das meine ich schon, das war erheblich.
Theresa: Wann ist denn Ihr Vater geflüchtet vor der Mauer oder nach der Mauer?
R: Gleich nach dem Krieg, da ging das noch leicht.
Das Interview, welches das Team der Holderbergschule Eschenburg mit Herr Rudolph führte, können Sie hier downloaden (PDF).
Das Interview mit Frau Kreck, welches das Team um Anna-Maria, Antonia, Theresa und Franziska führte:
"Expeditionsteam: Wann sind Sie in den Westen gekommen?
Frau Kreck: Am 13. Dezember 1989
Expeditionsteam: Von wo nach wo?
Frau Kreck: Von Weißenfels nach Ewersbach.
Warum gerade nach Ewersbach?
Frau Kreck: Bekannte von mir wohnten in Ewersbach.
Expeditionsteam: War es schwer?
Frau Kreck: Die ersten Tage schon.
Expeditionsteam: Ist noch jemand mit Ihnen nach Ewersbach gekommen?
Frau Kreck: Nein, ich bin ganz allein hierher gekommen.
Expeditionsteam: Mussten Sie jemanden zurücklassen?
Frau Kreck: Ja, meine Familie und meine Freunde.
Expeditionsteam: Wie sind Sie hierher gekommen?
Frau Kreck: Mit dem Zug.
Expeditionsteam: Gab es Komplikationen auf der Reise?
Frau Kreck: Nein.
Expeditionsteam: Welche Unterschiede zwischen Ost und West gab es 1989?
Frau Kreck: Es gab Unterschiede in der Schulbildung: im Osten war Russisch wichtig, Französisch/Latein nicht; bei den Lehrstellen: im Osten hatte jeder eine Lehrstelle; soziale Sicherheit: Arbeitsplatz für jeden; Familienpolitik: kostenlose Kinderbetreuung; Volkseigentum an Produktionsmitteln ...; aber keine Pressefreiheit und Religionsfreiheit im Osten; im Westen gab es unterschiedliche Warenangebote und Freizeitmöglichkeiten.
Expeditionsteam: Warum sind Sie in den Westen gegangen?
Frau Kreck: Hauptgründe waren die Verhältnisse im Osten: keine Meinungsfreiheit, eingeschränkte Reisemöglichkeiten wie auch eingeschränkte Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentfaltung."
Das Interview, welches das Team der Holderbergschule Eschenburg mit Frau Kreck führte, können Sie hier downloaden (PDF).
