

Teamportrait
Lösung: Geschichte erzählen
Lösung: Denkmal!
Lösung: Kunststücke
Lösung: Identität
Lösung: Archiv
Pünktlich zu Beginn des neuen Schuljahres am 5. August 2009 startet die 5b zusammen mit ihrer Lehrerin Frau Herzig ihre "Forschungsexpedition Stadt – Geschichte" in
Bad Frankenhausen. Dann werden die 7 Mädchen und 9 Jungen übrigens bereits Schüler der 6b sein, worauf sie u. a. auch in ihrem Selbstportrait hinweisen:
"Wir sind die Klasse 5b der Staatlichen Regelschule "Juri Gagarin" in Bad Frankenhausen. Unsere Kleinstadt hat mit allen kürzlich eingemeindeten Orten rund 10.000 Einwohner und liegt am Südrand des Kyffhäusergebirges im Norden des Freistaates Thüringen.
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Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5b der Staatlichen Regelschule "Juri Gagarin" in Bad Frankenhausen |
Bad Frankenhausen ist eine kleine, reizvolle Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, die von einer beeindruckenden Vergangenheit erzählen. So z. B. das Panorama-Museum mit seinem international bekannten Rundgemälde von Prof. Werner Tübke zur Frühbürgerlichen Revolution oder das kleine Salzsiedehäuschen, das einen interessanten Einblick in das alte Handwerk der Salzpfänner vermittelt. Besonders bekannt ist unsere Stadt durch unseren Turm der Oberkirche, er ist sogar schiefer als der Turm von Pisa und steht schon im "Buch der Rekorde".
Aber auch wegen unserer schönen Umgebung kommen jährlich viele Touristen, sie besichtigen das Kyffhäuserdenkmal, die Kaiserpfalz in Tilleda oder Kaiser Barbarossa, welcher der Sage nach in einer Höhle unter dem Kyffhäusergebirge schläft und auf seine Erlösung wartet.
Geschlafen wird in unserer Klasse allerdings nicht, wir lernen ganz gut und beteiligen uns an vielen Aktionen. So haben wir fleißig gebastelt und den Erlös für den Bau des ersten Kinderhospizes in Thüringen gespendet. Aber auch sportlich sind wir ganz gut drauf und haben schon etliche Preise gewonnen.
Schade, dass wir mit unserer Klassenleiterin Frau Herzig, sie unterrichtet uns in Deutsch, Geschichte und Ethik, nicht sofort loslegen können. Aber nach den Sommerferien, ab dem 5. August 2009 startet – pünktlich zum neuen Schuljahr – unsere Forschungsexpedition!
Dann sind wir übrigens die Klasse 6b, eigentlich sind wir 16 Schüler, 9 Jungen und 7 Mädchen, aber manchmal ändert sich das, weil Kinder wegziehen oder neue Schüler dazukommen.
Wir haben schon gemeinsam mit Frau Herzig überlegt, was genau wir erforschen wollen.
Das Denkmal (Frage Nr. 2 des Aufgabenkatalogs) unserer schiefen Kirche steht natürlich ganz oben auf unserer Hitliste, aber auch den Salzhandel (Frage Nr. 14 und Nr.3) und das Panorama (Frage Nr. 6) werden wir näher beleuchten. Ein Besuch im Archiv (Frage Nr. 9) und ein Gespräch mit dem Bürgermeister (Frage Nr. 1) bringen hoffentlich auch interessante Neuigkeiten. Beim Bürgermeister waren wir übrigens schon, der will uns auf alle Fälle unterstützen und findet die ganze Sache klasse! Bestimmt bringen uns die ersten Schritte als Forscher noch auf viele spannende Objekte (...)."
Viel Spaß und eine erkenntnisreiche Expedition wünscht dem engagierten Team der 5b das Projektbüro "Städte im Wissenschaftsjahr 2009".
Resümee
Nachdem die Schüler der 5b der Staatlichen Regelschule "Juri Gagarin" in Bad Frankenhausen ihre "Forschungsexpedition Stadt – Geschichte" inzwischen bereits beendet haben, zogen sie auch ein Resümee ihrer Arbeit und ergreifen das Wort:
"Nachdem wir nun endlich unsere Berichte fertig geschrieben haben, sind wir doch
ziemlich stolz auf unsere Arbeit. Das wichtigste aber war, dass uns das Forschen richtig Spaß gemacht hat!!!
Nächstes Jahr möchten wir unbedingt wieder mit dabei sein, dann haben wir auch
hoffentlich etwas mehr Zeit.
Denn das war eigentlich das Hauptproblem, wir hatten uns noch viel mehr
vorgenommen, was wir dann gar nicht mehr richtig geschafft haben. Da es immer
wieder Probleme mit der Technik gab, musste am Ende doch sogar noch eine neue
Kamera angeschafft werden. Eigentlich wollten wir noch einen Film über unsere Stadt drehen, aber dafür reichte
die Zeit leider nicht mehr. Einstimmig haben wir aber beschlossen, den Film doch noch zu
Ende zu bringen. Vielleicht zeigen wir ihn dann in der Grundschule im
Sachkundeunterricht.
Auf alle Fälle haben wir eine Menge über die Geschichte unserer Stadt gelernt. Nur
das Berichte schreiben war nicht so cool! Die Fotos, Zeichnungen, Dokumente, Fragebögen, Berichte und unsere Wandzeitung
bewahren wir aber gut auf, wer weiß, ob in 100 Jahren mal wieder Schüler forschen,
was die Kinder in früherer Zeit so machten…
Und schließlich steht unser Projekt mit der vergrabenen Zeitkapsel auch noch aus…
Schade ist nur, dass wir dann nicht wissen, was die Forscher im Jahre 2109 so über
uns denken???
Eure Klasse 6b der Staatlichen Regelschule "Juri Gagarin"
Bad Frankenhausen/ Kyffhäuser in Thüringen."
Aufgabe: Am 9. November 1989 ist die Berliner Mauer gefallen und hat zur deutschen Wiedervereinigung geführt. Befragt einen Zeitzeugen (Bürgermeister/in, Geschichtslehrer/in, Dozent/in für Geschichte) wie sie/er diesen Tag erlebt hat! (Text & Foto, Audio oder Video)
Die Geschichte rund um die Frage "Wie war die Situation in unserer Stadt am
Ende der DDR?" ließ sich das Bad Frankenhauser Expeditionsteam doch nicht von ihrem Bürgermeister erzählen, sondern von einem Bürger und zwar über dessen Teilnahme an der Montagsdemo am 9. 0ktober 1989 in Leipzig. Doch zuvor eine kleine Zusammenfassung von Erinnerungen, welche das Expeditionsteam zusammentrug:
"Im Fernsehen und in der Zeitung wird fast jeden Tag darüber berichtet, was vor 20
Jahren in der damaligen DDR geschah. Also wollten wir der Sache mal nachgehen
und die Erwachsenen befragen.
Unser Bürgermeister schied leider aus, der war damals ungefähr so alt wie wir heute.
Auch einige Eltern hatten die Zeit nur als Kinder erlebt oder vieles vergessen.
Unsere Klassenlehrerin war damals 25 Jahre alt und konnte uns einige Fragen
beantworten. Sie erklärte uns erstmal einige grundlegende Dinge zur DDR, dann
gingen wir gemeinsam in die Plakatausstellung "20 Jahre Friedliche Revolution", die
gerade in der Aula unserer Schule zu sehen ist.
Von einer Revolution hatten wir noch nie gehört und auch mit vielen anderen
Begriffen wie Wahlbetrug, Montagsdemo und Stasi konnten wir nichts Richtiges
anfangen. Also hieß es wieder fragen, am besten die Großeltern, Lehrer und ältere
Nachbarn.
Was wir herausbekommen haben, schrieben wir auf, sprachen darüber und stellten
dann gemeinsam einen Bericht zusammen:
Unsere Kleinstadt mit damals ca. 9.500 Einwohnern war eine ganz "normale" Stadt.
Damals war die Selbstversorgung der Menschen noch viel ausgeprägter als heute. So
baute man viel Obst und Gemüse zum eigenen Verzehr und auch zum Verkauf an.
Trotzdem versorgte der Obst- und Gemüsehändler in der Kräme die Menschen
weitgehend. Jedoch waren bestimmte Versorgungslücken auch in Bad
Frankenhausen vorhanden: "Bananen waren nicht zu bekommen und wenn eine
Lieferung kam, waren sie sofort wieder vergriffen." So die Erinnerung einer Befragten.
Genauso verhielt es sich auch mit anderen exotischen Früchten oder bestimmten
Fleischsorten. Man musste auch bei der Lieferung des eigenen Autos geduldig sein,
da man bis zu 18 Jahre lang darauf wartete. Dies war wahrscheinlich auch der
Grund, warum nur wenige Leute ein Auto besaßen.
"Als ich endlich ein eigenes Auto hatte, gab es 2 Stück in unserer Straße",
erzählte ein Mann, der damals in der Altstadt, in der "Breiten Straße" wohnte.
"Heute hat fast jeder Bewohner 2 Autos!"
Bad Frankenhausen war also zur damaligen Zeit keine außergewöhnliche Stadt, bis
auf die Tatsache, dass dieser Ort für seine Knopfproduktion bekannt war.
Es gab eine große Knopffabrik, die ihre Ressourcen bei einer Firma aus den
Niederlanden bezog und die Erzeugnisse dann in viele Teile der DDR versendete.
Zusätzlich waren etwa 10 private Knopfhersteller in Bad Frankenhausen vorhanden.
Außerdem hatten eine Strickmoden-, eine Schuh-, eine Kartonagen- und eine
Möbelfabrik ihren Standort in der Stadt.
"Es gab hier keinen einzigen Arbeitslosen,
damals fand jeder etwas zum Geld verdienen", erzählte ein Bürger.
Ihre Freizeit konnten die Menschen im Sommer in einem der zwei Freibäder
verbringen, wobei jenes, welches sich in der Weidengasse befand, aufgrund des
hohen Alters zu Beginn der 80er-Jahre geschlossen wurde. Das zweite Freibad
befindet sich zwar heute noch im Kurpark, ist jedoch seit 1998 ebenfalls außer
Betrieb. Falls zum Baden die Temperaturen nicht geeignet waren, konnte man
ebenso in der Natur spazieren gehen oder mit dem Fahrrad eine kleine Tour durch
das Kyffhäusergebirge machen.
Für Flugbegeisterte befand sich im Süden Bad Frankenhausens ein Segelflugplatz.
Dieser musste jedoch 1972 einem Truppenübungsplatz der NVA weichen, die sich
dann dort niederließ.
"Der Segelflugplatz wurde nach Udersleben verlegt, man ließ ihn dann aber etwa
1980 schließen, da die Befürchtung bestand, man könnte mit einem Segelflugzeug
über die Grenze flüchten," erklärte ein älterer Mann, "man hätte sonst ohne weiteres bei
gutem Wind mit einem Segelflieger aufsteigen und über die deutsch-deutsche
Grenze in den Westen segeln können…".
Für die älteren Bürger gab es in Bad Frankenhausen zwei Freilichtbühnen, in denen
auch gelegentlich Theaterstücke gespielt wurden. Es gab also auch genug
Abwechslung zum Arbeitsleben.
Aufgrund Erich Honeckers Sozialpolitik gab es in Bad Frankenhausen seit etwa 1975
mehrere Wohnblöcke "Am Tischplatt", die noch heute eine Wohngelegenheit für
einkommensschwache Menschen bieten. Als man die großen Protestdemos in den Großstädten im Herbst 1989
wahrgenommen hat, fanden dann auch in Bad Frankenhausen einige
Versammlungen statt. Etwa 100 Personen suchten in der Unterkirche Rat.
Die meisten Leute hatten mit sich zu tun, als die Grenzen geöffnet wurden, waren
viele sehr überrascht. Die neue Reisefreiheit wurde gleich ausgenutzt und viele
erzählen noch heute von den freundlichen Begegnungen mit den "Wessis".
Seit dem Herbst 1989 gab es an Samstagen keinen Unterricht mehr, im Flur der
"Thomas-Müntzer-Schule" hing eine große schwarze Tafel, auf welche die Schüler ihre
Meinungen schreiben konnten. Darauf stand zum Beispiel: "Wir wollen keinen
2.000 Meter Ausdauerlauf mehr", "Weg mit dem Staatsbürgerkundeunterricht!" und
"Längere Ferien!".
Ansonsten stürzte so viel auf die Menschen ein, vieles konnten sie erst später richtig
verstehen. Leider schlossen ab 1990 viele Betriebe und bald gab es die ersten Arbeitslosen.
Auch heute hat sich diese Situation nicht gebessert, der Kyffhäuserkreis hat die
höchste Arbeitslosenquote in Thüringen und gehört zu den einkommensschwächsten
Regionen.
Bericht eines Zeitzeugen über seine Teilnahme
an der berühmten Montagsdemo am 9. 0ktober 1989 in Leipzig:
"Zur Erklärung: Frau Herzig bat einen Ihrer Kollegen, von dem Sie wusste, dass er
als Student in Leipzig an der berühmten Montagsdemonstration
vom 9. Oktober 1989 in Leipzig teilgenommen hatte, seine
Erinnerungen aufzuschreiben. So wissen wir von einem
Frankenhäuser Bürger als unmittelbaren Zeitzeugen, was an jenem
Tag in Leipzig geschah, an dem die Entscheidung für den
friedlichen Ausgang der Revolution im Herbst 1989 fiel.
"Erinnerungen, sagt man, sind wie Bilder, nach einer gewissen Zeit verblassen sie,
nehmen noch einmal Gestalt an, wenn man über sie spricht und sind irgendwann
ganz aus dem Gedächtnis verschwunden. Gelegentlich reihen sie sich aber auch
aneinander wie zu einem Film, dessen Länge zunimmt, je bemerkenswerter das
Ereignis war, an das man sich zu erinnern versucht.
Ein solcher Film läuft in meinem Gedächtnis ab, wenn ich mich an die Ereignisse in
Leipzig im Herbst 1989 erinnere. Fast scheint es mir, als würde ich wieder durch die
Straßen der Stadt laufen, nicht nur die Bilder werden wieder wach, auch
Gesprächsfetzen klingen in meinen Ohren nach und ich spüre wieder die gleiche
Aufregung wie damals.
Ich war fünfundzwanzig Jahre alt, schickte mich an, mein Studium zu beenden, stand
noch immer ein wenig unter dem Eindruck von drei Jahren Dienst in der Nationalen
Volksarmee, war aber auch jung verheiratet, meine Tochter schon fast zwei Jahre
alt, kein außergewöhnlicher Lebenslauf, eher ein Durchschnittsbürger.
Die DDR, unsere Republik, wie man sagte, war gerade vierzig geworden, der
offizielle Feiertag lag an einem Samstag, günstig gelegen für Volksvergnügen aller
Art, nur wollte eben in diesem Jahr nicht die rechte Stimmung aufkommen.
Man hätte blind und taub sein müssen, um nicht bemerken zu wollen, was zu dieser
Zeit in der DDR, in den größeren Städten und, ja, vielleicht wirklich besonders in
Berlin und in Leipzig geschah.
Der Massenexodus hatte spätestens mit der Öffnung
der Grenze zwischen Ungarn und Österreich begonnen, die Prager
Botschaftsflüchtlinge waren längst in den bayrischen Aufnahmelagern angekommen
und manche Seminargruppen der ehrwürdigen Alma Mater Lipsiensis hatten sich in
den Sommersemesterferien fast um ein Drittel verringert.
Fragen wurden gestellt,
zunächst noch leise, später lauter, noch etwas später auch öffentlich, eine
Unerhörtheit, aber plötzlich nicht mehr ungewöhnlich. Um den Kritikern, den
Andersdenkenden, den Aufbegehrenden – um nicht die Plattitüde der Revolutionäre
bemühen zu müssen – eine Heimstatt zu geben, öffneten sich landesweit die
Kirchentüren, ein gewissermaßen exterritoriales Gebiet tat sich auf, so auch und
besonders in Leipzig.
Ich hatte meiner Frau noch am Morgen des 9. Oktober versprochen, unmittelbar
nach Vorlesungs- und Seminarschluss das Stadtzentrum zu verlassen, obwohl auch
mein Wohnheim, in der Nähe der Deutschen Bücherei gelegen, eigentlich mitten im
Stadtzentrum Leipzigs lag. Zu groß aber war die Unsicherheit, die Angst vor dem,
was passieren könnte, vor allem aber vor der dann zu erwartenden und wiederum
absolut unberechenbaren Reaktion, der Antwort eines Staatsapparates, dem die
Antworten auf die Fragen seines Volkes eigentlich längst ausgegangen waren.
Als ich dann gegen sechzehn Uhr gemeinsam mit meinen Kommilitoninnen das
Hörsaalgebäude der Uni verließ, sahen wir, dass es längst zu spät war, um
überhaupt noch irgendwo hin zu gehen. Auf dem Parkplatz direkt vor der Uni
standen ungefähr fünfzig Lkws im typischen Armee- und Polizeigrün, darauf
befindlich Bereitschaftspolizisten, die man aus allen Teilen der Republik herbei
kommandiert hatte, junge Kerle, viele vielleicht gerade achtzehn geworden,
leichenblass vor Aufregung und Übermüdung und, wie ich im Vorbeigehen sah,
komplett bewaffnet.
Wir suchten zunächst Zuflucht in der Mensa, mussten dazu aber
eine Einlasskontrolle passieren, die von Stasi-Mitarbeitern vorgenommen wurde, alle
Studentenausweise wurden teilweise minutenlang inspiziert. Gegen achtzehn Uhr
wurde es unruhig in der Mensa, die Menge drängte nach draußen, man wusste, dass
um diese Zeit das Friedensgebet in der Nikolaikirche direkt neben der Uni endete, die
Neugier siegte über die Angst. Die Stasi, die eben noch niemanden in die Mensa
hineinlassen wollte, hinderte nun die Menschen am Hinausgehen, es blieb aber ein
eher kläglicher Versuch, der schnell aufgegeben wurde.
Kurze Zeit später standen wir auf dem Nikolaikirchhof, die Türen der Kirche waren
bereits geöffnet, vielstimmiger Gesang drang nach draußen, aber es kam niemand,
es konnte niemand kommen, denn alle Straßen und Plätze in der Umgebung, selbst
der riesige Karl-Marx-Platz, waren mit einer unüberschaubaren Menschenmenge
gefüllt. Dann war es still, gespenstisch still, denn angesichts der vielen Menschen
hätte man ein gewaltiges Stimmengewirr vermutet, aber, nichts, gar nichts, kein
Laut.
Die Spannung war spürbar, die Augen der Menschen weit aufgerissen, der
Herzschlag am Hals zu spüren, die Knie zittrig, aber alles schwieg.
Plötzlich erklang wie von Ferne eine Stimme, ruhig und getragen, als spräche jemand
ein Gebet. Es war Kurt Masur, der weltberühmte Dirigent und Orchesterleiter des
Leipziger Gewandhausorchesters, der den Aufruf einer Gruppe Leipziger
Intellektueller verlas, in dem zu Ruhe und Besonnenheit aufgerufen wurde um
Schlimmes, um ein Blutvergießen zu verhindern.
Was sicher niemand in einer solchen Situation für möglich gehalten hätte geschah: Eine Gasse vom Nikolaikirchhof zum Karl-Marx-Platz öffnete sich, die ersten
Teilnehmer des Friedensgebetes verließen die Kirche, wendeten sich zum Karl-Marx-Platz, bogen vor der Zentralpost auf den Innenstadtring und wurden gefolgt von
einem endlosen Menschenzug, jetzt nicht mehr schweigend, aber noch immer still,
leise murmelnd, aber ohne ein lauteres Wort, besonnen, wie man gefordert hatte,
die Worte Masurs hatten Eindruck hinterlassen.
Wir tauschten kurz Blicke miteinander, Zettel mit den Anschriften unseren
Angehörigen hatten wir schon in der Mensa ausgetauscht, falls jemandem von uns
"etwas" geschehen sollte, wobei keiner von uns darüber nachzudenken wagte, worin
dieses "etwas" bestehen könnte. Jetzt aber konnten auch wir uns der Stimmung des
Augenblicks nicht entziehen. Ohne uns dazu aufzufordern, fassten wir uns bei den
Händen, legten uns die Arme um und liefen mit, bemerkten auch plötzlich, dass in
unserer Reihe uns völlig fremde Menschen liefen, wir also auch ihre Hände hielten,
ohne Misstrauen, ohne Argwohn, der in dieser Zeit eigentlich allgegenwärtig schien.
Von dem eigentlichen Zug über den Leipziger Ring, schätzungsweise eine halbe Stunde
lang, vermag ich nicht viel zu sagen. Ein Bild drängt sich noch auf: die beiden
riesigen Eingänge des Leipziger Hauptbahnhofes, verbarrikadiert mit einer Unzahl
von Polizisten, aber auch sie: reglos und schweigend.
Der Zug endete am Leuschnerplatz, jedenfalls erinnere ich mich, dass wir hier die
Gelegenheit nutzten, um über den Roßplatz und den Bayrischen Platz zu unserem
Wohnheim zu laufen. Eine meiner Kommilitoninnen weinte leise. An diesem Abend
sind wir ebenso schweigend auseinander gegangen, wie wir neben einander her
gelaufen waren, vielleicht noch ein leises "Gute Nacht!", ich kann mich nicht mehr
genau erinnern. Über das Erlebte reden konnten wir erst am nächsten Tag und
meine Frau erfuhr gar erst am folgenden Wochenende, dass ich mein Versprechen
nicht hatte halten können, Handys gab es nicht, Telefone nur wenige und was hätte
ich am Telefon sagen sollen?"
Dieser Bericht hat uns alle sehr nachdenklich gemacht. Auch wenn das nun schon so
lange her ist. "
Aufgabe: Historische Gebäude und Denkmäler haben eine Geschichte. Erkundet eine dieser Geschichten gemeinsam mit dem Amt für Denkmalschutz oder einer vergleichbaren Einrichtung und dokumentiert eure Entdeckungen!
Im Rahmen der Aufgabe Denkmal! hat sich das Bad Frankenhausener Expeditionsteam mit der "schiefen" Kirche unserer lieben Frauen am Berge auseinandergesetzt:
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Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5b der Staatlichen Regelschule "Juri Gagarin" in Bad Frankenhausen |
"Jedem, der Bad Frankenhausen besucht, fällt als erstes unsere schiefe Kirche auf. Immerhin haben wir den schiefsten Kirchturm in Deutschland
und unsere Kirche ist schiefer als der berühmte schiefe Turm von Pisa!
Einstimmig hatten wir beschlossen, mit dieser Sehenswürdigkeit unsere "Forschungsexpedition Stadt" zu starten.
Im Medienkundeunterricht recherchierten wir gemeinsam auf der Homepage des Oberkirchturmvereins. Wir waren überrascht, was wir
hier alles zur Geschichte der Kirche erfahren konnten. Aber auch über die Ursache der Schieflage und die Bemühungen um den Erhalt der
Kirche erhielten wir viele Informationen. Ganz besonders interessant fanden wir, dass auf dem Gelände eine Code-Box versteckt ist, die man
nur mit GPS finden kann. Das nennt man Geocaching.
Im Geografie-Unterricht beschäftigten wir uns näher mit dem Bodenprofil von Frankenhausen. Die durch Salzauswaschungen entstandenen
Hohlräume sind nämlich daran schuld, dass der Turm immer weiter absackt. Das geht aber vielen Häusern so in Bad Frankenhausen. Erst im
August rutschte plötzlich eine Sitzgruppe an einer Raststätte für Wanderer ab und es entstand ein Erdfall, der drei Meter tief und sechs Meter breit war. An dieser Stelle trat dann auch noch Solewasser aus. Darüber hat sogar unsere Zeitung berichtet. Im Mathematikunterricht
haben wir versucht, den Neigungswinkel zu zeichnen. Das ist der Winkel, der von der
Senkrechten (Lot), also vom 90° Winkel, abweicht. Die 5,7 Grad waren ganz schön
schwierig zu zeichnen! Der Turm steht bereits 4,45 Meter schief. Das sind Phillip (1,85 m) plus Florian (1.70 m) plus ungefähr die halbe Sofie
(1,68 m). So ungefähr jedenfalls!
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Der "schiefe Turm" Bad Frankenhausens |
Im Deutschunterricht legten wir gemeinsam einen Fragekatalog für ein
Interview mit Frau Köllen, der Vorsitzenden des Fördervereins zum Erhalt
der Oberkirche, fest und gestalteten eine Wandzeitung.
Am 14. August ging es endlich los. Frau Köllen erwartete uns bereits auf
dem alten Kirchplatz. Heute ist alles zugewachsen, weil die Kirche schon lange gesperrt ist und auch nicht mehr genutzt wird. Sie zeigte uns den
alten Friedhof, von dem nur noch ein ganz verwitterter Grabstein erhalten ist.
Dann aber wurde es richtig spannend, sie holte einen riesigen Schlüssel
aus ihrer Tasche und schloss die Türe auf. Wir durften in die Kirche, na
ja, besser gesagt in den ehemaligen Kirchenraum. Eigentlich wirkt das
eher wie ein verwunschener Garten, denn der Kirche fehlt schon ewig
das Dach, es gibt keine Stühle und der Altar steht in der Unterkirche. Alle
Mauern sind mit Efeu bewachsen.
Nur der Kirchturm steht noch, aber eben schief mit einem Stützkorsett
aus Eisen und Beton. Vor einigen Jahren musste man ihn sogar noch mit
Stahlseilen sichern.
Ehrlich, total beeindruckend!! Schade, dass wir nicht auf den Turm
durften, aber das ist zu gefährlich!
Frau Köllen erzählte uns auch von dem vielen Geld, was nötig wäre, um
das Abstürzen des Turmes zu verhindern. Das ist sehr wichtig, denn in
der Oberkirchgasse stehen viele Häuser, auch Sebastian und Erik
wohnen in der Nähe. Lieber gar nicht daran denken, was passiert, wenn
der Turm fällt…
Es gibt viele tolle Projekte, um den Turm zu sichern, zum Beispiel soll so eine Art Riesen-Kraken-Arm den Turm stabilisieren, aber dafür ist mehr als eine Million Euro notwendig. Auch Spezialbeton könnte man in die Hohlräume unter dem Fundament spritzen. Aber das wäre vielleicht für die Solequelle gefährlich, die auch noch unter der Kirche fließt und unsere Therme speist. Schließlich ist Bad Frankenhausen auch wegen der Heilkraft seiner Sole als Kurort bekannt. Eigentlich hängt alles am Geld und alle Verantwortlichen können sich nicht so richtig einigen. Hoffentlich findet sich bald eine Lösung!!!
Frau Köllen zeigte uns an der Außenseite der Kirchenwand noch die Steinmarken der Steinmetze und eine alte Sonnenuhr, die man ganz zufällig entdeckt hatte. Wir haben ganz viele Fotos gemacht und Peter hat alles auf sein Diktiergerät aufgenommen. Leider hört man das nicht so gut.
Wir haben für alle
Schüler eine Broschüre gekauft, so können wir alles in Ruhe noch einmal
in der Schule nachlesen. Ein Teil des Geldes geht in den Spendentopf zum Erhalt der Oberkirche.
Damit helfen wir also auch!
Leider verging die Zeit in der Oberkirche viel zu schnell. In der nächsten
Woche haben wir alles auf unserer Wandzeitung festgehalten. Die ist
richtig gut geworden, unsere Eltern konnten sie zum Elternabend
bestaunen und gleich noch einiges zur Oberkirche lernen.
Die Wandzeitung haben wir übrigens fotografiert, nur der Interview-
Mitschnitt hat nicht so richtig geklappt. Aber dafür sind die Fotos richtig
Klasse geworden!!!"
Frage: War die eigene Stadt in der Vergangenheit Schauplatz, Zentrum oder Ausgangspunkt wichtiger künstlerischer Entwicklungen? Recherchiert vor Ort z. B. in einem Museum, bei einem Theater oder im Archiv und dokumentiert eure Ergebnisse.
Bei ihrer Recherche zu den Kunststücken Bad Frankenhausens stießen die Jungforscherinnen und -forscher auf das "Panorama-Museum":
"Unsere Stadt besitzt neben der schiefen Kirche ein weiteres, sehr beeindruckendes
Bauwerk, nämlich das "Panorama-Museum".
Natürlich haben wir uns gleich gedacht, dass wir das Panorama mit auf unseren
Forschungsplan setzen und es erkunden wollen.
Also, über der Stadt thront ein zylindrisches Bauwerk, deshalb wird es auch
"Elefantenklo" genannt, welches ein sehr schönes Gemälde von 14 Metern Höhe und
123 Metern im Umfang birgt – das Panoramabild "Frühbürgerliche Revolution in
Deutschland", ausgeführt von 1983 bis 1987 in Öl auf Leinwand von Professor Werner
Tübke. Ein beeindruckendes Kunstwerk mit über 3.000 Einzelfiguren, das zu den
größten und figurenreichsten Gemälden der neueren
Kunstgeschichte zählt.
Wir wollten aber mehr wissen und haben uns so mit Herrn Beyer getroffen, der sich
bereit erklärt hatte, uns etwas über das Panorama Museum zu erzählen.
1. Frage: "Warum wurde denn das Panorama gerade bei uns in Bad Frankenhausen gebaut?"
Herr Beyer: "Vom 14. und 15. Mai 1525 fand unweit von Frankenhausen, auf dem jetzigen
Schlachtberg, die Entscheidungsschlacht im mitteldeutschen Bauernkrieg statt. Unter
der Führung von Thomas Müntzer errichteten etwa 8.000 Aufständige auf dem
Schlachtberg eine Wagenburg, in welcher Müntzer am 15. Mai eine Predigt abhielt.
Noch während der Predigt brach das fürstliche Heer den vereinbarten Waffenstillstand und griff unvermutet und heftig mit Geschütz, Reiterei und Fußvolk an.
Die
Bauern waren vom Angriff völlig überrascht und gerieten in Panik. Sie fanden keine
Zeit zur Ergreifung der Waffen oder zur organisierten Gegenwehr. Die Masse der
Aufständigen floh panikartig in die Stadt und wurde auf dem Weg dorthin durch die
fürstlichen Truppen niedergemetzelt. Müntzer wurde in Frankenhausen gefangen
genommen, auf die Wasserburg Heldungen gebracht und schließlich am 27.
Mai 1525 bei Mühlhausen hingerichtet.
Die Idee, auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen, ein Panorama zu errichten,
kam von der SED-Führung des damaligen Verwaltungsbezirkes Halle und datiert in
den Herbst des Jahres 1971. Ein hauptsächlicher Grund hierfür war auch der 450-jährige Jahrestag der Schlacht 1975."
2. Frage: "Wann erfolgte denn die Grundsteinlegung für das Panorama?"
Herr Beyer: "Nachdem die Entscheidung getroffen war, bei uns ein Panorama zu erbauen,
begannen die Planungs- und Erschließungsarbeiten und am 8. Mai 1974 erfolgte die
Grundsteinlegung für das Panoramahauptgebäude als Rundbau."
3. Frage: "Hat das Bauen lange gedauert?"
Herr Beyer: "Tja, ihr wisst ja bestimmt, dass in und um Bad Frankenhausen an vielen Stellen auf
Grund der Salzauswaschungen ein recht komplizierter Bauuntergrund vorhanden ist.
So war es auch auf dem Schlachtberg. Der Untergrund musste verfestigt werden und
gut vorbereitet sein. Während des Baus gab es auch immer wieder Probleme mit
nicht vorhandenem Material, der Qualität der Arbeit und auch Streitigkeiten. Im
Sommer 1978 wurde die im sowjetischen Textilkombinat Sursk gewebte Leinwand mit
den Ausmaßen von 14 mal 123 Metern in Bad Frankenhausen angeliefert, und wird hier
erst nur gelagert. Als der Bau des Panoramasaals fertig war, hat Herr Hohlstamm,
ein Sattlermeister aus Bad Frankenhausen, im Mai 1982 die Leinwand
zusammengenäht und diese wurde im Saal eingebaut."
4. Frage: "Wer hat denn das Bild gemalt?"
Herr Beyer: "Werner Tübke übernahm den Auftrag, das Bild zu malen. Hierfür war eine große
Menge an Studien, Materialsammlungen, Proben und anderem notwendig. 1976
begann er in seinem Atelier in Leipzig mit der eigentlichen Arbeit. Es entstand in den
Jahren von 1979 bis 1981 eine 1:10 Vorfassung, welche dann auf die Leinwand im
Bad Frankenhausen übertragen wurde. Tübke übertrug das Bild ab 1983 erst allein
bis dann weitere Künstler ihn bei der Arbeit unterstützten."
5. Frage: "Wann war denn das Bild fertig?"
Herr Beyer: "Tübke und die ihn unterstützenden Maler arbeiteten ca. 4 Jahre also bis Herbst
1987 an dem Bild und am 11. September setzte Tübke den letzten Pinselstrich."
6. Frage:
"Wann wurde denn das Panorama Museum eröffnet?"
Herr Beyer:
"Das Jahr 1989 wurde als "Thomas Müntzer Jahr" deklariert und so war der 500.
Geburtstag von Müntzer ein guter Aufhänger. Nun, das Panorama Museum wurde
zwei Jahre nach der Vollendung des Bildes eröffnet, also kurz vor dem
Zusammenbruch der DDR. Aber nicht nur der Geburtstag Müntzers bestimmte die
Eröffnung. Das Gebäude und die Außenanlagen mussten ja noch fertig gebaut bzw.
angelegt werden. Ich weiß noch genau, wie kurz vor der Eröffnung Soldaten der NVA
Nadelbäumchen pflanzen mussten und Bauwagen in den Wald zogen und diese mit
Tarnnetzen "unsichtbar" machten.
Die damalige "Partei- und Staatsführung" wollte mit einer Großkundgebung am
14. September 1989 auf dem Markplatz in Bad Frankenhausen ihr etwa 54 Millionen
Mark teures Prestigeobjekt feiern. Dazu wurde der Markt weiträumig abgesperrt,
die Tribüne für die Gäste aus "Sicherheitsgründen", sie stand gegenüber vom
Rathaus, abgebaut und direkt vor dem Rathaus wieder aufgebaut. Die Teilnehmer an
der Kundgebung waren alle "handverlesen", nur in den hinteren Reihen waren einige
Frankenhäuser Bürger. Eigentlich sollte Erich Honecker kommen, der war aber krank.
Dafür kamen Kurt Hager, Margot Honecker und weitere Politprominenz. Nach der
Kundgebung gab es noch einen Rundgang durch die Stadt und hier mussten sich
Hager und seine Genossen für sie unangenehme Fragen der Bürger gefallen lassen.
Es war Herbst geworden, Herbst 1989 und die Tage der DDR waren gezählt."
Bestimmt hätten wir noch ganz lange mit Herrn Beyer gesprochen, aber leider war die
Zeit um.
Wir werden aber auf jeden Fall bald das Panorama und sein Bild besuchen. Einige
von uns waren zwar schon dort, aber bestimmt entdecken wir viele neue Einzelheiten
im Bild."
Frage: Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem Namen eurer Stadt? Was sagt das Wappen aus? Welche Wahrzeichen gibt es? Sucht in der Stadtverwaltung, im Archiv, in Bibliotheken oder bei Lokalhistorikern nach Informationen und dokumentiert eure Ergebnisse.
Hinsichtlich der Fragestellung Identität entschlossen sich die Jungforscherinnen und -forscher der Staatlichen Regelschule "Juri Gagarin" für das Wappen ihrer Stadt:
"Unser Stadtwappen gibt es bereits auf einer Urkunde aus dem Jahr 1384 und sieht
so aus:
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Eine goldene Burg mit breitem Torturm und zwei kleineren Mauertürmchen stehen vor einem roten Hintergrund. Das Tor
vom Hauptturm ist geöffnet, über dem Torbogen kann man ein hochgezogenes Fallgitter erkennen. In der Toröffnung schwebt ein blauer Schild mit goldenem
Löwen.
Der Löwe soll zeigen, dass Frankenhausen seit 1340 zum Besitz der Grafen Günther XXI und
Heinrich XII zu Schwarzburg gehörte. Darüber gibt es sogar eine Urkunde, die
besagt, dass der Kaufpreis 6.500 Mark löthigen Silbers nach Erfurter Währung betrug.
Wir hätten gerne gewusst, wie viel das heute wert ist, aber das konnte uns leider niemand erklären.
Eigentlich haben wir ein schönes Wappen für eine Stadt, die mit Salz handelt und deshalb ihre Tore für die Kaufleute offen hält. Aber sie ist auf der Hut und kann sich auch wehren, deshalb die Mauern, Türme und das Fallgitter – wie bei einer richtigen Burg eben!
Einen Verbesserungsvorschlag hätten wir aber auch: Unser Mutz, der Salzhund aus der alten Sage von der Entdeckung der Solequellen müsste auch mit drauf! Im
Wappen der Pfännerschaft ist er ja schließlich auch und ohne Sole wären wir heute sicher kein Kurort!
Wir machten uns gleich ans Werk und wollten ein modernes Wappen gestalten, aber, ehrlich gesagt, schon das alte abzuzeichnen, war total schwer!!! Also belassen wir es
mal lieber bei unserer Idee…
Auf unserer Expeditionswand machen sich unsere selbst gezeichneten Wappen doch auch ganz gut, oder?"
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Frage: Besucht das Archiv eurer Stadt und informiert euch dort über die Zielsetzung und die Arbeitsbereiche der Einrichtung sowie über die Tätigkeiten der Mitarbeiter.
Um das Fenster zur Geschichte ihrer Stadt noch weiter aufzustoßen besuchten die Expeditionsteilnehmer am 1. Oktober das Bad Frankenhausener Stadtarchiv:
"Am 1. Oktober besuchten wir unser Stadtarchiv.
Diesen Besuch hatten wir gut
vorbereitet. Im
Geschichtsunterricht hatten
wir uns schon im
vergangenen Schuljahr mit
Quellen und ihrer Bedeutung
beschäftigt.
In Stadtarchiven werden alle
Quellen aufbewahrt, die
etwas mit der Geschichte der
Stadt zu tun haben. Das
können alte Urkunden,
Bücher, Baupläne,
Zeichnungen, Fotos,
Rechnungen und vieles
andere mehr sein.
Wir informierten uns im Internet, dass die älteste Urkunde aus dem Jahr 1310
stammt – das sind fast 700 Jahre!!! Die ist natürlich so wertvoll, dass sie nicht bei
uns aufbewahrt wird, sondern in einem Staatsarchiv.
Unser Archiv wurde im Bauernkrieg stark zerstört, als die Bauern das Rathaus
verwüsteten. Einen Stadtbrand haben die alten Sachen aber gut überstanden, weil
sie im Kellergewölbe ganz gut geschützt waren. Das Archiv wurde im Laufe der Zeit
immer umfangreicher, heute sind es fast 300 laufende Meter Schriftgut. 300 Meter,
das ist ungefähr die Strecke durch die Kräme (= unsere Einkaufsstraße, die es schon
seit dem Mittelalter gibt).
Herr Hahnemann, unser Stadtarchivar, hatte uns versprochen, uns etwas ganz
besonderes zu zeigen, nämlich die Sachen, die in einer Metallhülse gefunden wurden,
die im Turmknauf des Rathauses waren. Dahinein kamen Dokumente, die in der Zeit
der Errichtung wichtig waren. Darauf waren wir sehr gespannt.
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Herr Hahnemann vom Stadtarchiv zusammen mit dem Expeditionsteam |
Da unser Rathaus gerade mal wieder umgebaut wird, befindet sich das Archiv jetzt im
Obergeschoss der Bibliothek.
Als wir die Treppe hochkamen, sahen wir total viele Regale mit Pappkartons und es
roch ganz komisch. Kam wahrscheinlich von dem alten Zeug, was Herr Hahnemann
schon auf einem Tisch für uns vorbereitet hatte! Er zeigte uns das älteste Buch und
wir durften es sogar anfassen! Obwohl es fast 400 Jahre alt ist, geht das Papier nicht
kaputt, die Zeitungen von vor 50 Jahren sahen dagegen richtig zerfleddert aus! Er
erklärte uns auch warum, aber so genau haben wir uns das leider nicht gemerkt.
Der Umschlag von dem Buch war übrigens aus Schweinehaut, das Leder fasste sich
ganz komisch an.
Nun zu dem Fund im Rathausturm: eine Metallhülse mit
Zeitungen und den Namen der
Bauleute und der ganze Stadtrat
und Geld von 1865. Alles doppelt,
so dass die Hälfte wieder
reinkommt mit neuen Zeitungen
und neuem Geld, das andere wird
halt im Archiv aufbewahrt. So
bleibt es ganz lange erhalten.
Wenn die nächsten Bauleute den
Turm wieder reparieren, kommt
dann immer wieder etwas Neues
dazu und man kann viel über
frühere Zeiten erfahren. Spannend, oder?
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Der Fund aus dem Rathausturm: Eine Metallhülse |
Herr Hahnemann zeigte uns auch alte Fotos vom Anger, der sah total anders aus als
heute. Eigentlich fanden wir ihn alle damals schöner! Die Fotosammlung hat übrigens
jemand anonym dem Archiv geschenkt, Herr Hahnemann fand den Umschlag eines
Morgens einfach so im Briefkasten!
In alten Adressbüchern durften wir rumstöbern, ob es früher Verwandte von uns
gab. Das war ganz lustig, vor allem die alten Vornamen.
Aber auch moderne Computer gibt es, alles wurde digitalisiert, das hilft enorm bei
der Suche. Wenn jemand zum Beispiel sein altes Haus wieder genau so wie früher
restaurieren will, kann er sich im Stadtarchiv nach den alten Bauplänen informieren.
Das kostet übrigens nichts!
Es kommen auch viele Schüler ins Archiv und haben Fragen. Meistens müssen sie
Arbeiten schreiben oder Kurzvorträge halten. Ist aber trotzdem interessant, was man
dabei alles herausfinden kann!
Ach ja, ein Problem gibt es noch: wir können die alte Schrift nicht lesen. Aber auch
dabei hilft Herr Hahnemann, der ist übrigens total nett und hat uns alle Fragen
beantwortet. Die zwei Stunden waren ruck-zuck vorbei.
Vielen Dank!"
