Expertendebatte

Die Expertendebatte in Nürnberg-Fürth-Erlangen zur Frage "Welche neuen Materialien braucht der Mensch?" fand am Abend des 24. Oktober 2009 als interdisziplinärer Diskurs im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften statt. Die Diskussion schloss sich um 18 Uhr direkt an die Eröffnung der Wissenschaftsnacht in Fürth an. Neben dem Fokus auf Zukunftsszenarien im Bereich "Neue Materialien" standen auch politische, wirtschaftliche und technische Wege in der Region für einen innovativen Umgang mit diesem Forschungsbereich im Mittelpunkt. Vertreter aus Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft und Politik beleuchteten die Forschungsfrage von unterschiedlichen Seiten.

Vier Experten haben sich der zeitgerechten Frage "Welche neuen Materialien braucht der Mensch?" gestellt: Aus politischer Sicht argumentierte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium Christian Schmidt, Prof. Dr. Wolfgang Peukert vertrat als Sprecher des Exzellenzclusters "Engineering of Advanced Materials" eine wissenschaftliche Sichtweise, unterstützt durch den Medizintechnik-Experten und 1. Vorsitzenden des Medical Valley EMN e.V. Prof. Dr.-Ing. Erich R. Reinhardt, und Peter Krappmann schließlich hat als Vorstand des Klinikums Fürth seine Argumente beigetragen.

Nach der Eröffnung durch den Moderator Dr.-Ing. Robert Schmidt, der sich bei der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken für den Geschäftsbereich Innovation | Umwelt verantwortlich zeigt, wurde über die Einsatzmöglichkeiten und den Nutzen neuer Materialien im persönlichen sowie beruflichen Bereich, die Vorteile und die Bedeutung für unterschiedliche Branchen und Lebensbereiche diskutiert. Insbesondere die Bedeutung neuer Materialien für den medizinischen Fortschritt wurde dabei thematisiert.

Experten NFE

Die Diskutanten: Prof. Dr.-Ing. Erich R. Reinhardt, Prof. Dr. Wolfgang Peukert, Dr.-Ing. Robert Schmidt, Peter Krappmann, Christian Schmidt (v.l.n.r.)

Christian Schmidt sprach über die Einsatzbereitschaft der Bundesregierung im Hinblick auf die Schlüsseltechnologie "Neue Materialien / Neue Werkstoffe" und erläuterte, was die Bundesregierung zur Unterstützung und Förderung des Themas weiterhin plant. Ergänzt wurde diese Perspektive durch eine Bewertung von Professor Erich Reinhardt, dass neue Materialien Entwicklungslinien für die Medizintechnik generieren können. Er gab einen kurzen Einblick, was das Medical Valley EMN in diesem Segment alles vorhat, um die Region voran zu bringen.

Professor Wolfgang Peukert widmete sich den forschungsbezogenen Aspekten der Frage und beleuchtete, wie er seinen Studenten Grenzflächenphänomene und Nanotechnologie erklärt und wie man in der Forschung das Problem der hohen Komplexität bzw. der hohen Interdisziplinarität des Themas löst. Peukert lobte die guten Voraussetzungen an der Uni Erlangen für die Beschäftigung mit und Weiterentwicklung von innovativen Gebieten wie der Nanotechnik. Auch die Studenten scheinen dies zu schätzen; der große Andrang auf ingenieurwissenschaftliche Studiengänge stimmt auch Christian Schmidt zuversichtlich.

Peter Krappmann gab einen Einblick in die Nutzung neuer Materialien im Klinikalltag und wie die Ergebnisse der Forschung und Entwicklung dort zum Einsatz kommen. Der Fortschritt zeigt sich hier etwa in Form verbesserter künstlicher Gelenke und Implantate, die weniger Abnutzungserscheinungen zeigen und schneller einwachsen – allerdings bereiten die hohen Kosten auch finanzielle Probleme, wie Krappmann zu bedenken gab. Langfristig machen sich innovative Entwicklungen in der Medizin jedoch bezahlt, argumentierte Medizintechnik-Spezialist Reinhardt.

Den Abschluss der Diskussion bildete ein Ausblick auf Visionen, langfristige Perspektiven und Erwartungen an die neuen Werkstoffe; welche technischen Revolutionen durch sie in Zukunft möglich sein könnten und welche Probleme sich mit ihrer Hilfe lösen lassen könnten. Peukerts Vision: mit optimierten Solaranlagen in Wüsten einmal den Großteil des globalen Energiebedarfs umweltfreundlich decken zu können.

Die Lange Nacht der Wissenschaften

Am 24. Oktober demonstrierten in Nürnberg, Fürth und Erlangen zahlreiche Veranstaltungsorte von 18 bis 1 Uhr, wie und woran in der Region geforscht wird. Gut 5.000 Wissenschaftler präsentierten die wissenschaftliche Kompetenz im Städtedreieck. Alle regionalen Hochschulen und viele forschungsaktive Unternehmen sowie kommunale Einrichtungen machten mit Führungen, Experimenten, Diskussionen und Praxisbeispielen den über 25.000 Besuchern Wissen schmackhaft. Neben der Expertendebatte des Treffpunkts Nürnberg-Fürth-Erlangen gab es im Programm der Langen Nacht der Wissenschaften noch zahlreiche weitere Veranstaltungen zum Thema "Neue Materialien".

Das Uni-Department Werkstoffwissenschaften demonstrierte die Eigenschaften von Nanomaterialien und erklärte, wo wir im Alltag bereits mit neuen Materialien wie Titandioxid und Polymeren in Berührung kommen. Das Quiz des Exzellenzclusters "Engineering of Advanced Materials" stellte Besuchern spielerisch das Forschungsfeld vor. In der Uferstadt zeigte das Zentralinstitut für Neue Materialien und Prozesstechnik das größte Rasterelektronenmikroskop der Welt live in Funktion. Die Studierenden der Fakultät Werkstofftechnik erläuterten wissenschaftliche Experimente aus der Welt der Werkstoffe. Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB führte leistungselektronische Zaubertricks vor und ließ die Besucher im Fraunhofer-Truck die Zukunft hautnah erleben. Das Fraunhofer Entwicklungszentrum Röntgentechnik EZRT stellte in der Uferstadt in Fürth Einsatzmöglichkeiten der Röntgentechnik für die Qualitätsprüfung vor.

Der nanoTruck machte in der Wissenschaftsnacht auf dem Erlanger Schlossplatz Halt und präsentierte auf zwei Ebenen Nanotechnologie "live". Die neue bundesweite Informationskampagne des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Nanotechnologie "nanoTruck – Hightech aus dem Nanokosmos" veranschaulicht das Potential dieser Zukunftstechnologie. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen nanotechnologischer Forschung in Deutschland und der Entwicklung innovativer Produkte, Verfahren und Therapien in so wichtigen Anwendungsbereichen wie dem Umweltschutz, der Ressourcen sparenden Energiegewinnung und der modernen Medizin erleb- und damit greifbar zu machen. In der Ausstellung präsentierten über sechzig Exponate anschaulich und allgemein verständlich das komplexe Spektrum nanotechnologischer Forschung und Anwendung.

Vom 18. bis 25. Oktober – und in der Langen Nacht der Wissenschaften – war in der Universitätsbibliothek Erlangen eine interaktive Wanderausstellung der Deutschen Gesellschaft für Materialforschung zu besichtigen. "Welches Material eignet sich wozu?", "Wo und wie kommt es in Alltagsprodukten zum Einsatz?" – mit diesen Fragen richtete sich die Ausstellung vor allem an den Forschernachwuchs und versuchte, Kinder und Jugendliche für die Materialwissenschaft und Werkstofftechnik zu begeistern.