

"Wie wird man ein Volk?" fragt ein Schülerwettbewerb Geschichte am Treffpunkt Mainz: Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2009 ruft der Rheinland-pfälzische Geschichtslehrerverband in Zusammenarbeit mit der Mainzer Wissenschaftsallianz und der Allgemeinen Zeitung in Mainz zu einem Schülerwettbewerb Geschichte auf. Schülerinnen und Schüler aller Schularten in Rheinland-Pfalz konnten in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit zum übergreifenden Thema "Wie wird man ein Volk?" eines
der drei folgenden Themen bearbeiten:
1. Wiedervereinigung – Was wissen wir heute noch von der DDR?
2. Wir befragen Zeitzeugen zur Wiedervereinigung
3. Die DDR im Film
Mögliche Präsentationsformen waren Textarbeiten (bis max. 20 Seiten), Poster (bis zur Größe DIN A1) und Videoclips (bis max. 10 Minuten). Einsendeschluss war der 1. Juni 2009.
In jedem Themenbereich werden die drei besten Arbeiten jeweils mit 500 Euro, 300 Euro und 100 Euro prämiert. Die besten Arbeiten werden zudem im Rahmen des Treffpunkts der Wissenschaft "Zeit Reise" im Juni in Mainz sowie auf einer Sonderseite der Allgemeinen Zeitung vorgestellt. Die Auszeichnung findet im Rahmen des Wissenschaftsmarktes am 12. und 13. September auf dem Gutenbergplatz in Mainz statt.
Weitere Informationen: Verband der Geschichtslehrer Deutschlands, Landesverband Rheinland-Pfalz, Dr. Ralph Erbar, Fachleiter für Geschichte am Studienseminar Bad Kreuznach: www.geschichtslehrerverband-rp.de
Die Jury bestehend aus Professor Dr. Andreas Rödder (Historisches Seminar der Universität Mainz) und Dr. Ralph Erbar (Verband der Geschichtslehrer Deutschlands/Landesverband Rheinland-Pfalz) und Werner Wenzel (Allgemeine Zeitung) hat die eingereichten Arbeiten bewertet und die Preisträger am 22. Juli 2009 bekannt gegeben.
In der Kategorie "Wiedervereinigung - was wissen wir heute noch von der DDR" belegt Michelle Rheker den 1. Platz. Für ihre Arbeit führte die Schülerin der 13. Jahrgangsstufe eine Umfrage bei 140 Schülerinnen in Ost und West durch und kam zu dem Ergebnis, dass die Mauer in den Köpfen vieler Menschen zwar noch besteht, dass Deutschland dennoch auf einem erfolgreichen Weg zur Einheit ist.
Auszug aus dem Fazit der Preisträgerin:
"Eine Bilanz der deutschen Einheit – Ist die Wiedervereinigung gelungen?
Anhand meiner Recherchen und der durchgeführten Umfrage konnte ich deutlich erkennen, dass noch immer eine Mauer in den Köpfen besteht. Und sie besteht nicht nur in den Köpfen derer, die die Zeit des geteilten Deutschlands bewusst miterlebt haben. Auch in meiner Generation ist sie noch immer präsent, da bestehende Vorurteile an sie weitergegeben werden und sich in ihren Köpfen befestigen.
Doch ich finde auch, dass eindeutige Fortschritte bemerkbar sind. Fast alle Jugendlichen aus Deutschland sind zufrieden mit ihrem Leben und blicken zuversichtlich in die Zukunft. Dies war in den Anfangszeiten der deutschen Einheit nicht der Fall. Vor allem die Menschen im Osten waren unzufrieden mit ihrem Leben und hatten große Zukunftsängste, die sie dazu bewegte, in den Westen abzuwandern. Diese Zeiten scheinen allmählich vorbei zu sein.
Die deutsche Einheit ist zwar meiner Meinung nach auf einem guten Weg, doch sie ist noch nicht überall in Deutschland angekommen. Noch immer gibt es zu viele Menschen mit Vorurteilen und die Mauer ist noch in zu vielen Köpfen existent. (...)
Doch bemühen wir uns weiterhin, bin ich mir sicher, dass Deutschland in einigen Jahren zu einer Einheit zusammengewachsen ist und die kommenden Generationen frei von Vorurteilen miteinander leben."
Die Arbeit von Michelle Rheker können Sie hier downloaden (PDF).
Simone Wagner setzte sich in ihrem Beitrag mit einem internen Schulungsfilm der Staatssicherheit auseinander. Ihre hochwertige Filmanalyse wird von der Jury mit dem 1. Preis in der Kategorie "Die DDR im Film" ausgezeichnet, hier können Sie Ihre Arbeit downloaden (PDF).
Den 2. Platz in der Kategorie "Wiedervereinigung – Was wissen wir heute noch von der DDR" belegt Valerie Sophia Högerle mit einer Collage zu den Erinnerungen der rund 100 von ihr Befragten aus Ost und West. Mona Merz konzentrierte sich in ihrem Wettbewerbsbeitrag auf die Leipziger Montagsdemonstrationen und erhält dafür den 3. Preis, Ihren Beitrag finden Sie hier (PDF). Ebenso den 3. Platz belegen Jeannine und Josephine Bätz, die Zeitzeugen aus ihrer Verwandtschaft zu den Folgen der Wiedervereinigung befragt haben, das Ergebnis dieser Befragung können Sie hier downloaden (PDF).
Die Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs werden im Rahmen des Wissenschaftsmarkts am 12. September auf dem Gutenbergplatz Mainz ausgezeichnet.
Der Verband betrachtet es als seine Aufgabe, Fragen der historisch-politischen Bildung in der Öffentlichkeit, insbesondere den Schulen, Hochschulen und in der außerschulischen Erwachsenenbildung aufzugreifen und die Belange der historisch-politischen Bildung gegenüber den Kultusverwaltungen, den Universitäten, den Verlagen und der Öffentlichkeit zu vertreten. Er fördert die historisch-politische Bildung im Bereich der Lehreraus- und -fortbildung. Er veranstaltet in enger Zusammenarbeit mit dem Verband der Historiker Deutschlands e.V. den Deutschen Historikertag. Der Verband wirkt bei der Gestaltung von Lehrplänen der Fächer der historisch-politischen Bildung mit und wird gutachterlich tätig bei der Gestaltung von Lehr- und Lernmitteln, Studienplänen und Prüfungsordnungen. Er arbeitet mit Berufs- und Fachverbänden auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene zusammen.
Die Ziele des Verbandes:
Die Funktion eines kritischen Geschichtsbewusstseins muss für den Erziehungs- und Lehrplan der Schule bestimmt werden.
Die Funktion der älteren Epochen für das Geschichtsbewusstsein ist herauszuarbeiten und darzustellen – auch in Hinblick auf Europa.
Die methodischen Ansätze der unterschiedlichen Dimensionen (Politik-, Wirtschafts-, Kultur-, Umwelt- und Geschlechtergeschichte, Geschichte der Mentalitäten) sind auf ihren Wert für historische Erkenntnis zu prüfen und verstärkt in den Unterricht einzuführen.
Eine gemeinsame historische Grundbildung als Basis für länderspezifische Ausformungen ist zu entwerfen.
Die fach- und didaktikwissenschaftlichen Anteile am Lehrerstudium sind zu sichern bzw. wieder auszuweiten.
Die Lehrerfortbildung muss sowohl fachwissenschaftlich wie auch didaktisch verbessert, ihre Quantität wesentlich erhöht werden.
Junge Geschichtslehrerinnen und -lehrer müssen mehr Möglichkeiten haben, in den Schuldienst eingestellt zu werden.
In den Klassen 5 – 10 muss Geschichte zweistündig, in der Sekundarstufe II dreistündig und in Leistungskursen unterrichtet werden.
Geschichte muss als Fach für die Abiturprüfung gesichert werden.
