Schülerrecherche

Das Team

Die Forschungsfrage "Wie schafft Kommunikation Wirklichkeiten?" beschäftigte den Deutschkurs auf erhöhtem Anforderungsniveau/Leistungskurs Deutsch der Jahrgangsstufe 12 des Theodor-Heuss-Gymnasiums, bestehend aus 21 jungen Damen und drei Herren mit der Kursleiterin Studienrätin Wiebke Hoheisel.

Die Forscherinnen und Forscher haben sich in sieben Kleingruppen zusammengeschlossen, die im Folgenden mit ihren jeweiligen Teilprojektplänen und Zwischenergebnissen vorgestellt werden.

Elena und Teresa: Ein Beispiel der Sprachkritik: Hugo von Hofmannsthal – Ein Brief

Lauri: Gibt es eine Formel für sympathische Sprache?

Ann-Kristin, Esther und Mara: Wenn die Worte fehlen… Wo stoßen wir an unsere sprachlichen Grenzen?

Sabine, Sarah und Stephanie M.: Gebärdensprache – Wie kommuniziert man ohne Gehör?

Anna, Annika, Stephanie A. und Stephanie G.: Kommunikation mit Tieren

Henrike, Janina, Rebecca und Tarik: Wie kann man generationsübergreifend kommunizieren?

Elisabeth, Leonie, Simone und Wiebke: Comicsprache - Kommunikationsvielfalt und Ausdrucksvermögen

Elena und Teresa: Ein Beispiel der Sprachkritik: Hugo von Hofmannsthal – Ein Brief

Das Forschungsteam Elena und Teresa hat untersucht, ob es Literaturbeispiele gibt, die widerlegen, dass Sprache defizitär ist. So beschreiben die beiden ihr Vorhaben: "Als Grundlage für sprachkritische Aspekte kann beispielsweise der Text "Ein Brief" von Hugo von Hofmannsthal dienen. Die Aspekte, die aus dem Text deutlich werden, wollen wir dann mit Hilfe der Analyse verschiedener literarischer Quellen, wie zum Beispiel Poetry Slams, Lyrik, Liedern, dramatischen Texten, etc. widerlegen. Zum Schluss soll eine kritische Gesamtdeutung erarbeitet werden. Unser Forschungsansatz soll zeigen, dass es doch vielfältige (wenn vielleicht auch nicht unbegrenzte) Möglichkeiten in der Sprache gibt. Zunächst sollen aus einem sprachkritischen Text Aspekte herausgearbeitet werden, die wir dann mit Hilfe verschiedener literarischer (und evtl. theoretischer) Texte zu widerlegen versuchen."

Hier kann man den Text "Ein Brief" von Hugo von Hofmannsthal im Projekt Gutenberg lesen.

Team 3

Elena und Teresa wollen widerlegen, dass Sprache defizitär ist

Fazit

Im Rahmen eines Zwischenergebnisses haben die beiden Jungforscher zunächst fünf Thesen aus dem Literaturbeispiel abgeleitet, die sie im Weiteren untersucht haben:

1. Überwältigende, erhabene Empfindungen können nicht angemessen ausgedrückt werden.
2. Situationen oder Objekte, die solche Empfindungen auslösen, können ebenfalls nicht angemessen beschrieben werden.
3. Sprache ist zu abstrakt, um damit differenzierte Urteile fällen zu können.
4. Gedanken werden durch sprachliche Kategorisierungen eingegrenzt.
5. Die "konventionelle" Sprache ist zäh und unpersönlich.

Die ausführliche Analyse von Elena und Teresa kann man hier downloaden. Ihr Fazit in Kürze:

"Im Rahmen unseres Projektes sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Sprache nicht so defizitär ist, wie sie oft dargestellt wird, im Gegenteil, es gibt viele Möglichkeiten, sich mit Sprache auszudrücken. Trotzdem können wir den Standpunkt nachvollziehen, dass in bestimmten Situationen "die Worte fehlen". Die Beurteilung, ob das Ziel, mit Sprache Gedanken passend zu übermitteln, erreicht wurde, ist insgesamt jedoch vom persönlichen Sprachempfinden und Geschmack abhängig."

Lauri: Gibt es eine Formel für sympathische Sprache?

Lauri hat untersucht, ob es eine Formel für sympathische Sprache gibt: "Ich werde versuchen, dem Geheimnis von sympathischer Sprache, durch eine Umfrage mit ausgearbeitetem Fragebogen und schon vorhandenen Studien auf den Grund zu gehen. Das "Ankommen" beim Gegenüber ist ein wichtiger Teil unserer Realität und Sprache trägt dazu maßgeblich teil. Die Probanden der Umfrage werden ein Tonbeispiel hören, auf einem Fragebogen sollen sie das Gehörte mit verschiedenen Charakteristiken beschreiben und bewerten (z. B. Tonhöhe, Klang, Melodie, Vertrautheit)."

Fazit

Die theoretische Überlegung hinter der empirisch aufgebauten Analyse erklärt Lauri folgendermaßen:

"Auch wenn der persönliche Geschmack maßgeblich zur Beurteilung der Eindrücke beiträgt, stellt sich doch die Frage, ob es nicht einen universellen Schlüssel für sympathische Sprache geben könnte. So etwas, wie ein linguistisches Schönheitsideal."

Insgesamt 45 Probanden haben drei Tonbeispiele mit verschiedenen Dialekten - Nordfriesisch, obersächsisches Ost-Mitteldeutsch und Mittelbayrisch - gehört und bewertet. Die Auswertung der Befragung des Jungforschers führt ihn zu dem folgenden Fazit:

"Eine eindeutige Formel für sympathische Sprache ist aus den Ergebnissen nicht zu entnehmen. (...) Die Versuchsfrage lässt sich an diesem Punkt also nur mit einem Nein beantworten. Einen allgemeinen Schlüssel für sympathische Sprache gibt es so nicht, dazu spielen die persönliche Wahrnehmung und die Herkunft eine zu große Rolle bei der Beurteilung der Sprache."

Hier kann man die vollständige Analyse herunterladen.

Ann-Kristin, Esther und Mara: Wenn die Worte fehlen… Wo stoßen wir an unsere sprachlichen Grenzen?

Das Forschungsteam bestehend aus Ann-Kristin, Esther und Mara stellt sich die folgende Frage: "Wenn die Worte fehlen… Wo stoßen wir an unsere sprachlichen Grenzen?" Um dies beantworten zu können, setzen sie sich mit folgenden Aspekten auseinander:

- situationsabhängigen Stolperfallen
- Stolperfalle: nicht ausreichender Wortschatz führt zu Ausdrucksschwierigkeiten und Ungenauigkeiten in der deutschen Sprache
- mögliche Stolperfallen im Mündlichen: in Fachgebieten, Ausdruck von Gedanken und Gefühlen, Diskussionen (abhängig vom Gesprächspartner)
- mögliche Stolperfallen im Schriftlichen: Gedankenkomprimierung, das "Arbeiten" mit Wörtern (wie setzt man sie richtig ein?), Literatur und ihre Stolperfallen - Autoren und ihre Erfahrungen

Team 4

Diese beiden setzen sich mit sprachlichen Grenzen auseinander

Das Thema soll die Grenzen der Welt der Sprache eines jeden Menschen aufzeigen. Folgende Methoden wird das Team einsetzen:

- Rücksprache mit Sprachpsychologen und Experten
- Umfrage 1: Wo stolpern die Befragten?
- Umfrage 2 : Diese wird sich auf die erste Umfrage beziehen. Die meist genannten Themen werden bei Befragten angewandt, ohne dass wir ihnen unsere Absicht nennen

Hier kann man den Fragebogen des Forschungsteams downloaden.

Sabine, Sarah und Stephanie M.: Gebärdensprache – Wie kommuniziert man ohne Gehör?

Das Forschungsteam Sabine, Sarah und Stephanie stellte sich der folgenden Herausforderung: "Sprache bedeutet nicht unbedingt, Laute zu äußern und deswegen wollen wir gerade die Chancen und Grenzen nicht-sprachlicher Kommunikation untersuchen: Gebärdensprache – Wie kommuniziert man ohne Gehör?: Wie kommunizieren Menschen, die nicht miteinander sprechen, sondern sich über Zeichensprache unterhalten? Ist "ihr" Wortschatz genauso vielfältig wie "unserer"? Lassen sich auch in Gebärdensprache die verschiedenen Varietäten der deutschen Sprache der Gegenwart feststellen? Wie schnell ist es möglich, die Gebärdensprache zu erlernen? Lassen sich auch Gefühle (Wut, Freude etc) in der Gebärdensprache ausdrücken (oder geschieht dies lediglich über Mimik)? Ist die Gebärdensprache schwieriger zu erlernen als andere Sprachen?"

Fazit

Um sich fachkundig mit dem Thema auseinandersetzen zu können, hat sich das Team mit Frau Klemens vom Gehörlosenverbandes Südniedersachsen e. V. getroffen. Auf das Interview hatten sie sich mit vielen Fragen vorbereitet, mussten allerdings schnell feststellen, dass sie die Realität der Gehörlosen falsch eingeschätzt hatten. Dennoch war das Team nicht "sprachlos" und hat sich spontan mit neuen Fragen auf die Situation eingestellt, zur Illustration ein Auszug:

Team: Welche Probleme treten häufig im Alltag von Gehörlosen auf?
Frau Klemens: Hauptsächlich schriftliche Kommunikation. Missverständnisse und Informationsdefizite. Die Personen verstehen kein Fernsehen und lesen keine Zeitung. Durch Bildungsdefizite können sie wenig verstehen. (...)

Das vollständige Interview kann man hier downloaden.

Zudem haben sich die drei Forscherinnen mit Gehörlosen aus dem Verband getroffen, um die Kommunikationssituation mit ihnen selbst zu erleben, ein Eindruck:

"Die Mimik und Gestik spielt bei der Gebärdensprache eine sehr wichtige Rolle, wir konnten beobachten, dass in der Gebärdensprache sehr viel gestikuliert wird. Ein Gehörloser achtet bei seinem Gesprächspartner extrem auf seine Handbewegungen und seinen Gesichtsausdruck. Wenn wir uns Haare aus dem Gesicht gestrichen haben, oder gekrazt haben, waren sie immer sehr aufmerksam und haben geguckt, ob wir ihnen etwas sagen wollen."

Hier kann man sich den kurzen Erfahrungsbericht downloaden.

Zum Abschluss sei das Fazit der Jungforscher zum Stichwort Gebärdenvarietät genannt:

"Wie für uns Hörende ist die Sprache für Gehörlose nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern auch ein Kulturgut, welches dieselben Merkmale aufweist, wie die Lautsprachen. Die Gebärdensprache ist ebenfalls eine vollwertige Sprache und sollte auch gewahrt bleiben." Die vollständigen Überlegungen zum Thema Gebärdenvarietät kann man hier downloaden.

Anna, Annika, Stephanie A. und Stephanie G.: Kommunikation mit Tieren

Das Forschungsteam um Anna, Annika, Stephanie A. und Stephanie G. beschreibt seine Frage so: "Wir wollen den Fragen, welche Formen der Kommunikation es zwischen Mensch und Tier gibt und wo der Kommunikation Grenzen gesetzt sind, nachgehen und versuchen, Antworten zu finden, indem wir Interviews mit Vertretern verschiedener Institutionen führen, die mit Tieren arbeiten. Wir wollen die Interviews filmen und die Ergebnisse in Form eines kleinen Films präsentieren, den wir selbst schneiden werden."

Team 5

Was hat es mit der Kommunikation mit Tieren auf sich? fragt sich dieses Team aus Göttingen

Folgende Aspekte waren dem Team für die Untersuchung des Themas wichtig :

- Wie wird die Kommunikation zwischen Mensch und Tier überhaupt wirklich?
- Laute, Mimik etc.
- Wie werden Tiere erzogen?
- Warum verstehen manche Tiere, was wir von ihnen wollen, obwohl wir "unsere Sprache" sprechen?
- Haustiere/wilde Tiere/Zirkustiere/Tiere auf dem Bauernhof
- Verstehen Papageien, was sie sagen?
- Welche Formen der Verständigung gibt es?
- PC-Sprache von Gorillas
- Hundegesang
- Blindenhunde/Blindenpferde
- Verhaltensforschung
- Polizeihunde/Polizeipferde

Fazit

Das Team hat seine Kommunikationsanalyse in einem Video zusammengefasst, in dem Mensch und Tier zu Wort kommen - sehen Sie selbst:

Henrike, Janina, Rebecca und Tarik: Wie kann man generationsübergreifend kommunizieren?

Das Forschungsteam um Henrike, Janina, Rebecca und Tarik hat sich Folgendes zur Aufgabe gestellt: "Welche Unterschiede gibt es in der Sprache verschiedener Generationen und welche Sprachbarrieren müssen durchbrochen werden, um generationsübergreifend kommunizieren zu können? Wir haben uns entschieden, Interviews mit Personen unterschiedlicher Generationen durchzuführen, um Auffälligkeiten und Merkmale der verschiedenen Sprachen feststellen zu können."

Team 6

Diese vier untersuchen das Thema "generationsübergreifende Sprache"

"Wir wollen untersuchen, inwiefern sich die Sprache in verschiedenen Generationen unterscheidet, indem wir Menschen verschiedenen Alters interviewen und jeweils andere Menschen mit deren Art zu sprechen konfrontieren und ihre Reaktionen beobachten. Auf diese Art und Weise wollen wir herausfinden, wie die Generationen untereinander kommunizieren bzw. was die jeweils anderen vom Gesprochenen überhaupt verstehen können. Außerdem werden wir darauf eingehen, ob bzw. wie sich die Generationen aneinander anpassen. Durch das Untersuchen der Sprachbarrieren zwischen verschiedenen Generationen können sowohl die Grenzen der Sprache als Mittel zur Kommunikation als auch die Möglichkeiten, die uns die Sprache eröffnet, herausgestellt und verglichen werden."

Elisabeth, Leonie, Simone und Wiebke: Comicsprache - Kommunikationsvielfalt und Ausdrucksvermögen

Das Forschungsteam um Elisabeth, Leonie, Simone und Wiebke hat die folgende Fragestellung untersucht: Welche Rolle spielt Sprache in Comics und was wird in Comics sonst noch zur Kommunikation verwendet? "Wir werden verschiedene Comics (Garfield, Lucky Luke, Asterix etc.) auf den Aspekt untersuchen, welche Rolle Sprache spielt und welche Stilmittel außerdem zur Verdeutlichung der Gedanken und Handlungen verwendet werden." Um eine Antwort auf ihre Frage zu finden, hat das Team Comics untersucht und themenbezogene Literatur hinzugezogen.

Team 7

Welche Rolle Sprache in Comics spielt, fragen sich diese vier Schülerinnen aus Göttingen

Fazit

Hier kann man sich die Analyse der Comic-Forscher downloaden.

Vorab ein Auszug aus dem Fazit der Gruppe: "Trotz, oder gerade wegen der rudimentären Verwendung von Sprache in Comics werden Situationen leicht nachvollziehbar dargestellt. Sie geben die Wirklichkeit möglichst genau wieder, beziehen auch Geräusche, Bewegungen und Mimik mit ein und schaffen so ein allumfassendes Bild. Allerdings gilt es zu beachten, dass Comics oft unrealistische Situationen bzw. Personen (Mickey Maus, Asterix etc.) zum Gegenstand haben."

Darüber hinaus haben sie - unter Rückgriff auf die bekannten Comicfiguren Garfield und Snoopy - einen eigenen Comic gezeichnet, um ihre Analyse zu verdeutlichen:

Comic 1

Comic 2

Die Herausforderung: Hintergrund des Projekts

Die Forschungsfrage "Wie schafft Kommunikation Wirklichkeiten?" beschäftigt den Deutschkurs auf erhöhtem Anforderungsniveau/Leistungskurs Deutsch der Jahrgangsstufe 12 des Theodor-Heuss-Gymnasiums, bestehend aus 21 jungen Damen und drei Herren mit der Kursleiterin Studienrätin Wiebke Hoheisel.

In der ersten Vorbereitungssitzung wurden in Form von Gruppenanalysen, stummen Schreibgesprächen in Viererteams, drei Thesen zum Thema Sprache sowie der Göttinger Forschungsfrage besprochen:

1. "Es gibt Momente, wo ich finde, dass die Sprache noch gar nichts ist." (Beethoven)

2. "Mit jedem Wort wachsen wir" (Morgenstern) und "Wer die Sprache beherrscht, beherrscht seine Mitmenschen."

3. "SMS, Werbung, Comics – Je komplexer unsere Gesellschaft, desto primitiver unsere Sprache" und schließlich "Wie schafft Kommunikation Wirklichkeit?".

Am kontroversesten diskutiert wurde Beethovens These, besonders interessant erschienen den Schülerinnen und Schülern in diesem Zusammenhang die (Kommunikations-) Möglichkeiten, aber auch –grenzen, die der Sprache innewohnen.

Im Anschluss ist der Titel für die Recherche rund um die Forschungsfrage "Wie schafft Kommunikation Wirklichkeiten?" entstanden: "Faszination und Enttäuschung – Die (un)begrenzte Welt der Sprache". Rund um diese Aufgabenstellung wird bis zum Ende des Jahres eine Webseite enstehen.

Faszination und Enttäuschung – Die (un)begrenzte Welt der Sprache"

Es folgt ein erstes Exposé der Gruppe:

"Es gibt Momente, wo ich finde, dass die Sprache noch gar nichts ist." Ausgehend von diesem Zitat Ludwig van Beethovens, der bekanntlich gerade ein anderes Medium als die Sprache wählte, um Gefühlen, Gedanken und Stimmungen Ausdruck zu verleihen – nämlich die Musik – wollen wir, ein Deutschkurs auf erhöhtem Anforderungsniveau der Jahrgangsstufe 12 an der Europaschule Theodor-Heuss-Gymnasium Göttingen, im Rahmen der dem Wissenschaftsstandort Göttingen zugeteilten Leitfrage Wie schafft Kommunikation Wirklichkeit? vor allem untersuchen, welche Chancen und Grenzen die Sprache als Mittel der Kommunikation besitzt.

Einerseits bietet sie scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu treten und so neue interaktive Welten zu schaffen – gerade heute mit den Wegen, die die neuen Medien wie E-Mail und SMS sowie die zunehmende Ausdifferenzierung verschiedener Varietäten, Stile und Soziolekte oder auch die Einflüsse der Globalisierung eröffnen. Andererseits fallen jedem von uns spontan Situationen und Erlebnisse ein, in denen wir die Sprache als defizitär, als unzureichend empfinden. Nicht zuletzt die Literatur legt von diesem Spannungsfeld zwischen Faszination und Enttäuschung seit Jahrhunderten ein beredtes Zeugnis ab, zumal Autorinnen und Autoren selbst es sind, die ganz besonders durch und in der Sprache leben und mittels dieser eine (fiktive) Wirklichkeit schaffen, dabei aber immer wieder auch die Grenzen sprachlicher (Ausdrucks-) Möglichkeiten erfahren.

In engem Zusammenhang mit dem Thematischen Schwerpunkt Deutsche Sprache der Gegenwart, der für das kommende Schulhalbjahr – das Semester 13.1 – zur Vorbereitung auf das niedersächsische Zentralabitur im Unterricht behandelt werden muss, wird ein Schwerpunkt unserer Auseinandersetzung mit der Projekt-Fragestellung in der Untersuchung gegenwärtiger Kommunikationsphänomene liegen: Welche Veränderungen in der Kommunikation und in der Verwendung von Sprache ergeben sich durch den zunehmenden Einfluss der neuen Medien und wie (unterschiedlich) bewerten Menschen sie? Was unterscheidet geschriebene und gesprochene Sprache, was sind die Spezifika mündlicher und schriftlicher Kommunikation und welche Mischformen gibt es inzwischen? In einem zweiten Schwerpunkt unserer Arbeit wollen wir erforschen, welche Bedeutung der Reflexion über das Medium Sprache innerhalb der Literatur zukommt: (Wie) Kann ein Gedicht die Welt verändern oder: Welche Macht hat die Literatur und welche schreibt sie sich selbst zu? Welche Erfahrungen haben zur sogenannten Sprachkrise um 1900 geführt und wo finden sich Symptome dieser Krise in der Literatur? Wie ist die Position Adornos zu verstehen, dass man nach Auschwitz kein Gedicht mehr schreiben könne? Wie stehen zeitgenössische Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu den Chancen und Grenzen "ihres" Ausdrucksmediums, der Sprache? Diese und weitere Fragen werden wir zu klären versuchen.

Mit der eigentlichen Arbeit am Projekt beginnen wir im August nach Ende der Sommerferien, unsere Ergebnisse werden Ende Oktober vorliegen und in Form einer Internetseite präsentiert werden, auf der dann eigene und fremde Texte sowie eventuell Video- und Audiodateien zum Thema eingesehen werden können."

Die Schule

"Wie schafft Kommunikation Wirklichkeiten?" fragt sich das Theodor-Heuss-Gymnasium in Göttingen, das 1957 als erstes koedukatives Gymnasium der Stadt gegründet wurde. Seitdem hat es sein Unterrichtsangebot im sprachlichen, mathematisch-naturwissenschaftlichen und musikalischen Bereich ausgebaut und so das Schulprofil geschärft und weiterentwickelt. 1997 erhielt das Theodor-Heuss-Gymnasium Göttingen als erste Schule in Niedersachsen das Prädikat "Europaschule". Seit 2004 ist das Gymnasium eine offene Ganztagsschule mit einem freiwilligen Ganztagsangebot.

Die Schule liegt im Grünen oberhalb der Göttinger Innenstadt. Das Einzugsgebiet umfasst das Stadtgebiet und den Landkreis Göttingen. Die Schülerschaft spiegelt die ganze Breite der Gesellschaft in der Stadt. Etliche der ca. 1100 Schülerinnen und Schüler wohnen in der näheren Umgebung. Etwa 5% kommen aus anderen europäischen und auch aus außereuropäischen Ländern und leben – meist als Kinder von Universitätsangehörigen – für mehrere Monate oder einige Jahre in Göttingen.

Die besonderen Herausforderungen des THG für die Zukunft sind unter anderem:
Alle Schülerinnen und Schüler ihren Fähigkeiten entsprechend zu fördern und zu fordern, d.h. gleichermaßen den besonders motivierten und leistungsstarken, aber auch den schwächeren Schülerinnen und Schülern Unterstützungs- und Lernangebote zu machen, die ihnen gerecht werden. Die pädagogische Arbeit kontinuierlich weiterzuentwickeln, weil gesellschaftliche Veränderungen neue Erziehungskompetenzen erfordern. Das Profil der Europaschule auszubauen und zu schärfen, insbesondere Möglichkeiten zur Festigung und Erweiterung des Fremdsprachenangebots zu schaffen, die trotz Schulzeitverkürzung und hoher Wochenstundenverpflichtung zu bewältigen sind. Den Einsatz digitaler Medien mit ihren Vernetzungsmöglichkeiten im Unterricht zu fördern und die Kompetenzen zum verantwortlichen Umgang mit Informationen und Medien zu stärken.