"Planspiel Stadt" in Herborn

Idee
Ablauf und Dokumentation
Stadt Herborn

Planspiel Idee

"Sanieren oder planieren" - Was können wir uns leisten?

Am 17. September 2008 werden im Herborner Rathaus zwanzig Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 des Johanneum Gymnasiums zunächst die Fachbereiche "Finanzen" und "Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen" der Stadtverwaltung kennen lernen. Nachdem die Personen und Aufgaben dieser Fachbereiche vorgestellt wurden, werden zwei Problemstellungen präsentiert, die aktuell im stadtplanerischen und politischen Umfeld von Herborn diskutiert werden:

Zum einen muss das Wellenbad der Stadt saniert werden. Hier stellt sich die Frage, ob eine Sanierung mit der heutigen Zweckbestimmung als Sport- und Freizeitbad wirtschaftlich ist oder ob man einen Umbau zu einem Wellnessbad anstreben sollte.

Zum anderen muss das Bürgerhaus im Stadtteil Burg renoviert und den geltenden Energiesparvorschriften angepasst werden. Ist diese Investition sinnvoll oder sollte das Haus geschlossen werden?

Herborn Rathaus, M. Menk

Rathaus, Foto: M. Menk, 2006

Für die Lösung dieser beiden Fragestellungen müssen viele verschiedene Aspekte berücksichtigt werden, die unter anderem die Haushaltssituation, die Aufwendungshöhe für verschiedene Lösungsansätze und deren baulichen Zusammenhänge betreffen. Die Stadtverwaltung wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das für die Lösung der Aufgaben notwendige Datenmaterial bereitstellen und auch für Fragen zur Verfügung stehen.

Zum Abschluss werden die erarbeiteten Ergebnisse von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am "Planspiel Stadt" in Herborn vorgestellt.

Das "Planspiel Stadt" führt die Stadt Herborn mit dem Johanneum Gymnasium und dem Zentrum für Mathematik Wetzlar (ZFM) durch. Das ZFM wendet sich an Schülerinnen und Schüler, die sich außerhalb des regulären Unterrichts mit Mathematik beschäftigen wollen.

Ablauf und Dokumentation

Zwanzig Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse des Johanneum Gymnasiums suchten am 17. September 2008 gemeinsam nach einer Lösung für ihre beiden Planspiel Aufgaben, um diese anschließend ihrem Bürgermeister zu präsentieren: Entlang der Fragestellung "Sanieren oder Planieren?" galt es, die Zukunft von zwei wichtigen Einrichtungen in Herborn zu planen. In einem ersten Schritt holten die Jugendlichen die notwendigen Daten und Hintergrundinformationen über das Bürgerhaus und das Wellenbad aus den Fachbereichen "Finanzen" und "Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen" ein.

Anschließend begann die Planungs- und Berechnungsphase: Das Bürgerhaus kostet im Unterhalt über 70.000 Euro jährlich, die geplante Sanierung wird mit 2,7 Millionen veranschlagt. Unter welchen Umständen lohnt sich eine solche Investition? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erarbeiteten einen mehrstufigen Lösungsansatz, wobei eine Bürgerumfrage den Ausgangspunkt bildet und über den grundsätzlichen Erhalt entscheiden soll. Zu Bedenken gaben die Jugendlichen, dass eine Sanierung entsprechend der energiesparenden Umbauten die jährlichen Unterhaltskosten deutlich reduzieren würde. Zudem könne man mit einer Attraktivitätssteigerung rechnen, wodurch im Bürgerhaus mehr Veranstaltungen mit höheren Mietkosten durchgeführt werden könnten.

Herborn Brainstorming

Brainstorming zum Bürgerhaus

Auch für das sanierungsbedürftige Wellenbad wurden Ziele gesteckt: Der kommunale Zuschuss in Höhe von momentan 750.000 Euro solle gesenkt werden, zugleich solle das Bad attraktiver werden. Die Schülerinnen und Schüler planten zum einen, welche Angebote das Bad für alle Generationen attraktiver machen würde, zum Beispiel einee Liegewiese, ein Dampfbad und eine Sauna. Zum anderen wurde ermittelt, welche Eintrittspreishöhe die Kostendeckung des Wellenbades verbessern kann: Bei einem Besucherzuwachs von derzeit 80.000 auf 150.000 Besucher pro Jahr und einem durchschnittlichen Eintrittspreis von 5 Euro entsprächen die Einnahmen dem derzeitigen Zuschuss der Stadt.

Planspiel Stadt in Herborn

Planungsphase in Herborn

Beide Lösungsansätze wurden Bürgermeister Benner, dem Büroleiter Jörg Kring, dem stellvertretenden Bauamtsleiter Bernd Brückner, Michael Benner von der Finanzabteilung und Bernd Rademacher vom Stadtmarketing vorgestellt. Friedel Fieder vom Zentrum für Mathematik hat das Projekt gemeinsam mit Jörg Kring geleitet und man überlegt nun, ob die Ergebnisse der Neuntklässler auch den Kommunalpolitikern präsentiert werden soll.

Stadt Herborn

Die Fachwerkstadt Herborn mit knapp 21.000 Einwohnern liegt an der Dill in Hessen und gehört zu den besterhaltenen mittelalterlichen Stadtanlagen Deutschlands.

Herborn Marktplatz

Herborn Marktplatz

Von 1584 bis 1817 war die Stadt am Fuße des Westerwaldes Sitz einer universitätsähnlichen Hochschule, der Hohen Schule Herborn, die als kleinste deutsche Hochschule eine der wichtigsten Bildungseinrichtungen der Kalvinistisch-Reformierten in Europa war, an der beispielsweise Johann Amos Comenius studierte. Im Herborner Schloss befindet sich heute mit dem Theologischen Seminar der Evangelischen Kirche ein letzter Ableger der Hohen Schule und zugleich das Erbe ihrer wichtigen Bibliothek. In Herborn lernen heute 3.228 Schülerinnen und Schüler an 8 Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft.

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