Idee
Ablauf und Dokumentation
Stadt Dresden
Kinder und Jugendliche in Dresden entdecken gemeinsam mit dem "Planspiel Stadt" und der Methode SIELDER spielerisch die Bedeutung von anwendungsorientierter Mathematik im städtischen Raum. Dafür werden Kinder und Jugendliche mit dem Projekt SIEDLER im Juli und im Oktober 2008 je zwei Wochen Ihre Umwelt erforschen, Zusammenhänge erfahren und Flächen beplanen. Die Aktion "SIEDLER - Die Forscher" findet im Rahmen des Projektes "Planspiel Stadt" statt.
Kleine Flüsse und Bäche, Wiesen, Parkanlagen und kleine Wälder dienen nicht nur als gestalterisches Element eines Stadtbildes, sondern erfüllen zahlreiche Aufgaben und bringen für jede Stadt Arbeit mit sich. Arbeit, die für die Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Dresden ohne mathematische Berechnungen nicht zu bewältigen wäre. Welchen Einfluss hat die Dresdner Heide auf das Stadtklima? Wie gewinnt man alternative Energien? Wie viele Tierarten leben auf einem Quadratmeter Boden? Was passiert mit der Prießnitz bei Hochwasser? Fragen über Fragen, auf die 20 junge Umweltdetektive innerhalb von zwei Wochen ihre Antworten finden wollen.
Die Entwicklung von Städten und die damit verbundene Planung der Bebauung von Frei- und Brachflächen werden von vielfältigen Faktoren beeinflusst. Was das Stadtplanungsamt im Großen leistet, werden Kinder und Jugendliche im Kleinen hautnah erleben. Was gibt es um die Fläche herum? Was wird gebraucht? Was kann auf der Fläche gebaut werden? In Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt übernehmen die jüngeren Bewohner eines Stadtteiles die Verantwortung für die Gestaltung ihres Wohnumfeldes. Die Kinder und Jugendlichen erkunden das Umfeld, vermessen die Fläche und fertigen einen Plan für ihre Veränderung der Fläche an. Mit ihrem gebauten Modell machen die Kinder und Jugendlichen ihre Vorstellungen sichtbar.
Das "Planspiel Stadt" wird von der Projektschmiede GmbH, einer Tochter des Kulturbüro Dresden, durchgeführt. Die Projektschmiede versteht sich als Plattform für die Planung, Umsetzung und Durchführung von Projekten im Jugend-, Bildungs- und Kulturbereich, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf die Entwicklung und Förderung von Demokratieprozessen gelegt wird.
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Dass Stadtplanung nicht nur Sache der "Großen" ist, können Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 16 Jahren gerade beim zweiten Teil des Dresdner Beitrages zum "Planspiel Stadt" hautnah erleben. Genau zehn Tage haben die etwa zwanzig Teilnehmer Zeit, um als Stadtplaner ans Werk zu gehen. Ziel ist die Planung der altersgerechten Umgestaltung einer städtischen Freifläche am Elbhangtreff in Dresden-Niederpoyritz. Seit dem 20. Oktober heißt es planen und bauen für die jungen SIEDLER aus Niederpoyritz. Natürlich erkundeten die SIEDLER nach einer Eröffnung durch das Schulverwaltungsamt erst einmal gespannt die zu besiedelnde Fläche. Es galt erste Antworten zu finden. Fragen wie "Was gibt es hier und was nicht?" oder "Was mögen wir davon und was nervt?" standen dabei im Mittelpunkt. Der SIEDLER-Planwagen, der eine komplette mobile Planungszelle enthält, liefert die für die Planung der Fläche benötigten Ressourcen.
Am 21. Oktober starteten die SIEDLER dann gemeinsam mit dem Stadtplanungsamt in den Tag. Dabei kam die Vertreterin des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft nicht mit leeren Händen: Nach einer kurzen Vorstellung ihrer Arbeit in der städtischen Behörde überreichtesie den jungen Planern einen offiziellen Auftrag vom Amt. Die Berechnung der für die spätere Bebauung nutzbaren Fläche stellt noch die kleinere Herausforderung dar. Wie auch die Mitarbeiter des Amts werden die Jugendlichen den Flächenbedarf - berechnet auf anwohnende Kinder und Jugendliche im Vergleich zu anderen Flächen - ermitteln.
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Vermessungen beim zweiten Teil des "Planspiel Stadt" in Dresden |
Messen, berechnen, planen, modellieren und werken wird in den kommenden Tagen die Kinder und Jugendlichen beschäftigen. Das Ziel ist groß und der Aufwand lohnt sich für die jungen Planer: Am 30. Oktober werden sie ihr Modell an das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft und das mit der Umsetzung beauftragte Architekturbüro mit dem Auftrag übergeben, die Vorschläge der SIEDLER vom Modell in die Wirklichkeit zu transportieren. Tatkräftige Unterstützung erhalten die jungen Planer vom Elbhangtreff in Niederpoyritz.
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Flächenplanung in Dresden |
Das "Planspiel Stadt" in Dresden wird gefördert durch das das Bundesministerium für Bildung und Forschung. SIEDLER findet im Rahmen des Programmes "Demokratisches Sachsen!" der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung statt und wird gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales. Durch AUFWIND e.V. sind die SIEDLER mobil. Die Entwicklung wurde unterstützt durch Jugend für Europa, das Kinder- und Jugendhaus EMMERS, den Verein Pro Pieschen e.V., das Planungsbüro Contextplan, das Grünflächenamt der Stadt Dresden, AMD und Schaffer-mobil. Alle Rechte, insbesondere die Wort- und Bildmarke von SIEDLER liegen beim Kulturbüro Dresden.
"Zwei Wochen sind viel zu wenig, um alle Geheimnisse des Prießnitzgrundes in Dresden zu entdecken" - lautete das Fazit der jungen Forscher. Zwei Wochen hatten die 11- bis 14-jährigen Nachwuchswissenschaftler Zeit, um im Rahmen des "Planspiel Stadt" mit der Methode SIEDLER einen kleinen Ausschnitt des Waldes mitten in Dresden unter die Lupe zu nehmen.
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Planungsphase |
Ziel war nicht nur das Vermessen und Erforschen des Prießnitzgrundes. Im Mittelpunkt stand auch die Ergründung der wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten und Tätigkeiten der Stadtverwaltung in Bezug auf ein solches Waldgebiet. Die Zielstellungen ermöglichten nicht nur das praktische Erleben und Anwenden von sonst nur in der Schule genutzten und theoretisch erlernten naturwissenschaftlichen Forschungsmethoden. Vielmehr erhielten die Jugendlichen auch einen altersgerechten Einblick in Aufgabengebiete und Arbeitsweisen, die einer Verwaltung im Zusammenhang mit einem solchen Waldgebiet entstehen. Dies erforderte immer wieder einen Rückgriff auf mathematische Grundüberlegungen und förderte so ein Erleben von anwendungsorientierter Mathematik im Alltag des städtischen Lebens.
Die jungen Dresdner waren sich schnell einig, dass der gesamte Prießnitzgrund zu groß ist, um ihn in zwei Wochen zu untersuchen. Daher wurde ein Untersuchungsgebiet ausgewählt und abgesteckt. Unter zu Hilfenahme einer umfänglichen Forscherausrüstung und Unterstützung von Fachleuten aus der Wissenschaft, Verwaltung und Umweltpädagogik stellten sich die jungen Forscher der großen Herausforderung. Schnell fanden die Jugendlichen heraus, welche Behörden mit ihrem Forschungsauftrag zu tun haben. Das Schulverwaltungsamt erkannten die Jugendlichen als jene Behörde, die den Rahmen für die Vermittlung des benötigten naturwissenschaftlichen Wissens in Form von Schule zur Verfügung stellt. Das Umweltamt erkundeten die jungen Forscher als die städtische Behörde, die alle Anfragen der Bürger in Bezug auf den Prießnitzgrund beantwortet, die Anfragen der Bürger verwaltet und Informationen in Form von zum Beispiel Studien zur Verfügung stellt und weitergibt. Die Jugendlichen fanden heraus, dass das Umweltamt allerdings eher Mittlerbehörde ist und die Bewirtschaftung, Erhaltung und Verwaltung einer Waldfläche wie dem Prießnitzgrund dem Forstamt Dresden obliegt. Dort vereinbarten die jungen Dresdner auch sofort selbstständig einen Termin, um sich genauer über die Aufgabengebiete und Arbeitweisen zu informieren.
Unter fachlicher Anleitung sammelten und bestimmten die Jugendlichen das Vorkommen der Tiere und Pflanzen innerhalb ihres Forschungsgebietes. Was so einfach klingt, erforderte viele Versuche. Eine ordentliche Probe nehmen ist schon schwer. Die Forscher hatten jedoch höhere Ansprüche. So wollten Sie zum Beispiel von der Anzahl der Bachflohkrebse in der genommenen Probe auf das gesamte Bachflohkrebsvorkommen im der Prießnitz schließen. Dazu wurden Formeln entwickelt, Informationen über die Lebensbedingungen beschafft und immer wieder gerechnet. Dem Forscherdrang waren keine Grenzen gesetzt. Mit verschiedenen Tests wurde die Wasser- und Bodenqualität analysiert und berechnet und daraus Rückschlüsse auf das Vorkommen von zum Beispiel Forellen gezogen. Auch die Berechnung der Fließgeschwindigkeit des Flusses bei Regen und Trockenheit und die damit verbundenen Versuche der Berechnung von Niederschlagsmengen war für die Nachwuchswissenschaftler eher eine Herausforderung als eine Problemstellung. Um ihre Forschungsstelle besser abbilden zu können, bauten die Forscher ein maßstabsgetreues Modell der Forschungsstelle, auf dem Fundstellen markiert werden konnten.
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Berechnungen |
Mit dem Planspiel Stadt "SIEDLER - Die Forscher" ist es in Dresden gelungen, den Forscherdrang bei den teilnehmenden Jugendlichen zu wecken. Obwohl die Themengebiete bewusst offen gehalten wurden, erarbeiteten sich die jungen Forscher schnell und selbstständig einen Forschungsleitfaden. Anfänglich bestehende Bedenken der Jugendlichen gegenüber einem eventuell aufkommenden schulischen Charakter des Projektes konnten schnell zerstreut werden. Sobald dies gelungen war, wichen die anfangs vorhandenen Berührungsängste mit der manchmal als problematisch empfundener Mathematik dem Drang zu forschen und Geheimnisse zu ergründen. Die insgesamt 20 Jugendlichen haben erlebt, wie interessant Mathematik sein kann und wie viele Bereiche und Aufgaben im städtischen Leben immer wieder auf mathematische Berechnungen zurückgreifen. Gleichfalls wurde im Projekt für die Jugendlichen deutlich, wo Mathematik überall eingesetzt wird. Die Frage "Wofür brauche ich denn Mathematik im richtigen Leben" ist für die 20 SIELDER eindeutig beantwortet. Die Verknüpfung mit den Aufgabenstellungen der Verwaltung hat Barrieren und Vorurteile der Jugendlichen gegenüber Behörden abgebaut. Gleichfalls zeigte der tiefere Einblick in die Aufgabenstellungen der Ämter, dass Verwaltungsarbeit nicht nur trocken und eintönig ist.
SIEDLER findet im Rahmen des Programmes "Demokratisches Sachsen!" der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung statt und wird gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales. Durch Aufwind Kinder und Jugendfonds Dresden e.V. sind die SIEDLER mobil.
Selbstdarstellung des Projekts unter www.projektschmiede.net.
Dresden
ist mit rund 508.000 Einwohnern die Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen. In der Stadt, die beiderseits der Elbe
gelegen ist, werden Forschung, Wirtschaft und Kultur eng miteinander verknüpft, aufgrund dieser
wissenschaftlichen Tradition hat der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft Dresden im Jahr
2006 - dem Jahr des 800-jährigen Jubiläums der Stadt - zur "Stadt der Wissenschaft" ernannt.
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Dresdner Altstadt Canaletto Blick mit Frauenkirche Foto: Christoph Münch |
An den insgesamt zehn Hochschulen lernen 40.000 Studierende in Dresden. Die Mehrheit der Studentinnen und Studenten besucht die Technische Universität Dresden. Die größte Fachhochschule ist die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden. Neben den zahlreichen Forschungseinrichtungen wird die Bildungslandschaft Dresden von 137 Schulen in kommunaler Trägerschaft und 38 in freier Trägerschaft ergänzt.
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